Vom Urknall zum Schweinebraten

Vom Urknall zum Schweinebraten Gestern Abend war wieder Phantasten-Stammtisch, diesmal im Augustiner am Dantebad. Ich war mit meinem Vortrag »Vom Urknall zum Schweinebraten« dran, den ich mir in den letzten Wochen (und Monaten) gebastelt hatte. 16 gut gelaunte Zuhörer waren zugegen und keiner ist eingeschlafen oder weggelaufen 😉

SchweinebratenDer Mix aus eigenen Zeichnungen und zur Verwendung freigegebenen Bildern von ESA bis NASA hat etwa die geplante drei viertel Stunde gedauert. Stimmlich ging es prima, ich hatte nicht mal Heiserkeit oder andere Nachwirkungen (nur vom Bier :-)) Zwei bis drei der vorbereiteten Texte habe ich vergessen (ausgerechnet das Brathähnchen) aber den Rest nur ein Mal durcheinandergebracht.

Will ich wieder einen Vortrag halten? Bei so einem Publikum natürlich gerne. Danke für den Beamer. Auch angeregte Gespräche gab es anschließend.
Jetzt wo das geschafft ist, geht es wieder ans Schreiben? Mal sehen …

Schreiben als Sucht?

Gestern Abend gab es in LIDO (BR) wieder ein Autorenporträt. Diesmal war T. C. Boyle dran, der im Leben manche Sucht überwunden hat, aber am Schreiben hängen geblieben ist. Für ihn ebenso viel Therapie wie Meditation.

Schreiben als SuchtWie der Autor anfangs verrät, schreibt er den ganzen Tag, wenn er ein Projekt hat. Er wirkt allerdings ehrlich gesagt auf mich nicht so. Im weiteren Verlauf scheint das auch leicht geflunkert, angefangen bei regelmäßigen Wanderungen und Ausflügen zu den Mammutbäumen. Ein Genie – und seien wir ehrlich: erfolgreiche Autoren sind immer Genies 😉 – muss eben an seinem Ruf feilen, sonst glaubt Hinz und Kunz noch, Schreiben wäre ein einfacher Job.

Ähnlich ist es wohl beim Arbeitsstil, der eines Genies würdig ist: Boyle schreibt drauflos, ohne sehr viel geplant zu haben. Schließlich freut er sich, wenn alle Handlungsstränge aufgehen. Da kann man allerdings gratulieren aber vermutlich hat der Mann mittlerweile so etwas wie Übung im Bücherschreiben. Als Tipp für den Nachwuchs würde ich dieses Vorgehen zumindest nicht uneingeschränkt empfehlen.

Warum schreibt Boyle? Wie kommt jemand darauf, das Schreiben eine Sucht ist? Tja, der Mann gibt tatsächlich das größte Geheimnis der schreibenden Zunft preis: Das Gefühl bei der Fertigstellung eines Werkes ist ein gewaltiger Schuss. Ein Feuerwerk, ach was, ein Vulkanausbruch der Hormone. Rauschhaftes Hochgefühl. Ja, so ist das!
Nun ja, das und natürlich die liebe Kunst, weswegen wir Schreiber uns an diese harte Arbeit machen, uns kasteien und ausbeuten …

Rhythmus in der Schreibe

James Ellroy ist der erfolgreichste Krimischriftsteller Amerikas und bringt in einem Interview in der WELT einige Gedanken zu seiner Arbeit ein. Beispielsweise über die Rhythmisierung von Texten, mit der ich mich zuletzt (mit einigen Kollegen) herumplage. Gar kein einfaches Thema, aber eben – wie so vieles beim Schreiben – eines, dass man ausprobieren muss.

Ellroy verwendet Rhythmisierung um seine Schreibe »so emotional wie nie zuvor« zu gestalten. Wenn es eine Sache gibt, die wichtig ist in einer Story, dann die Emotionen. Könnte also sein, dass ich mal in diese Art Thriller hineinlese, auch wenn die sonst nicht mein Stil sind.

Außerdem schreibt er seinen aktuellen Perfidia-Zyklus nach einer zuvor angefertigten Zusammenfassung von schlappen 700 Seiten! Alleine das würde manchen Schreiber schon überfordern 🙂
Gut, der Mann beschäftigt Leute zum Recherchieren und ins-Reine-Schreiben; aber ist es das, was ich lernen soll: Ein ganzes Büro beschäftigen, damit ich schreiben kann? Also da finde ich doch am besten noch einen guten Schreiberling, lasse den machen und gehe selbst in den Biergarten 😉

Der will nur schreiben

Allgemeine Tipps für Autoren raten heutzutage zur regelmäßigen Einnahme von Facebook, möglichst eines Blogzäpfchens und fünf mal Twittern am Tag. Aufgezählt werden dann stets die Namen derjenigen Autoren, die es geschafft haben und Social ungemein präsent sind. Von den hunderttausend die es auch damit nicht in den Olymp schaffen wird natürlich geschwiegen. Klar, Marketing ist wichtig, nicht nur für Selfpublisher, sondern auch Verlagsautoren.

Der will nur schreibenErstaunlicherweise wollen die zwei, drei Dutzend Autoren in meinem Umfeld trotz dieser deutlichen Warnung gar keine große Internetpräsenz, ja, sie verweigern sich Linkedin, google+, Instagram oder pinterest. Bücher von ihnen werden bei Verlagen dennoch veröffentlicht, ohne das sie großes Gewese bei Youtube machen. Dieses skandalöse Verhalten muss ich auf meinem Podcast brandmarken! Hab aber keinen Podcast.

Diese Autorenkollegen wollen ihre Geschichten dennoch an den Leser bringen. Sie verteilen schon mal Flyer im Umfeld (gerne auch per Mail, man ist ja modern 🙂 und – sie veranstalten Lesungen. Sie lassen sich weiterempfehlen, voll analog, nicht digital. Sie machen Sachen, die längst out sind! Und sie leben und schreiben doch!

Du lieber Himmel, das funktioniert? Möglich, dass hier Potential liegen bleibt, aber mancher Autor gewinnt dadurch auch Zeit zum schreiben. Und das ist schlicht die Hauptsache (hm, war da nicht was mit Geld? Ach, komm!). Nicht jeder ist Vollzeitautor: lässt von 9 bis 11 die Kreativität fließen und widmet sich den Nachmittag über den Social Networks, bevor er abends durch die Kneipen zieht (ja, leider, bin ich auch nicht Vollzeit …)

Offensichtlich halte ich mich ebenso wenig an die simplen Regeln des Bloggens, von wegen Kommunikation und Teilen, sondern salbadere vor mich hin, was mir gerade einfällt. Warum verzichte ich so fahrlässig auf zigzehntausende Friends und Follower, die mich mit dem nächsten Roman garantiert zum Millionär machen würden? Verdammt, warum habe ich so gar keine Lust auf SEO und Internetmarketingstrategien?

Vielleicht liegt das, was ich und meine nicht-bloggenden Kollegen aussagen wollen, nicht in den Bits und Bytes, sondern (eReader mal ausgenommen) es liegt zwischen zwei Buchdeckeln. Dort sagen wir mehr als mit zwanzig Kurznachrichten am Tag. Es gibt eben auch weniger digtial-kommunikative Autoren – und wir haben ein paar Millionen weniger auf dem Bankkonto als all diejenigen, die ihre Schriftstellerkarriere mit Hilfe solcher Marketing-Tipps perfekt durchplanen.
Sie twittern nicht, sie bloggen nicht und die Leser mögen sie dennoch.