Bernhardinerisch

Warum sollte man wie Thomas Bernhard schreiben wollen? Das ist für Autoren gar keine Frage. Es geht um den Umgang mit Sprache. Der Stil eines Textes ist nun einmal häufiger Mache als mancher Leser denkt. Man sollte einen Blick dafür entwickeln und die Techniken anwenden lernen.

Was macht nun einen Bernhardischen Text aus, schließlich hat der Mann seinen Stil über Jahre kultiviert? Zumindest bei der monologischen Prosa, bei den dialoglastigen Theaterstücken wird es notgedrungen anders sein.

Das Substantivieren von Verben hat den Bernhard gern gesehen. Man kann Wiederholungen von Wortgruppen erkennen. Ganze Wortgruppen sind erkennbar wiederholt, gerne mit Wortumstellung. Bedeutungsverschiebungen lassen sich finden, bei denen die Schiebung gerne deutlich nicht zum Thema passt und dadurch die Deutlichkeit erhöht, sowie Wortschöpfungen und nicht zu vergessen, also jetzt zuletzt aber nicht schließlich, die – erraten Sie es? – Verwendung langer Sätze …

Test Test Test – ein simpler Text wie »Er trifft Sie – und folgt ihr unschlüssig« auf Bernhardianisch:
»Er war beim sieverfolgen, einer Konstante seines Lebens, die immergleiche Abfolge, hoffte irgendwie auf Vollzug, irgendwie auf Erfolgung.
So folgsam, seit zehn Minuten, tatsächlich, andere kämen in dieser Zeit bis zum Flughafen, ihn brachte es schließlich irgendwie allenfalls durch die Nachtheit, selten weiter.
Zuerst dachte er und er dachte immerzu erst, es schien eine Unmöglichkeit, schien es, dass die Frau, diese Frau, Alleingängernt wäre.«

Dieses Beispiel ist Imperfekt und der bernhardistische Grant absolut unterentwickelt. Aber ich muss das Beispiel beenden, solange das Loswerden des Stils absolut noch möglich erscheint …