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SF-SERIE VALERIAN & VERONIQUE« – WILLKOMMEN AUF ALFLOLOL

Den Knaller mit »Tausend Planeten« zu toppen wär schon schwierig gewesen, also schaltete das Team einige Gänge zurück. »Das Land ohne Sterne« setzt auf allerlei mörderisches Getier, ein Markenzeichen der Serie. Nur die hier vorgestellte planetare Gesellschaft (Stadt der Frauen und Stadt der Männer) ist nicht so originell und die Auflösung (wie bringt man die wohl zusammen???) entsprechend auch nicht.

Mit »Willkommen auf Alflolol« wird es interessanter. Kehrt eine uralte Alienspezies auf ihren Planeten zurück, müssen die mittlerweile dort ansässigen Menschen weichen. Doch die wollen die wertvollen Ressourcen des Planeten nicht aufgeben, und dehnen sich die Vorschriften zurecht.
Klar steht Valerian wieder zwischen allen Fronten. Veronique schlägt sich auf die Seite der naturverbundenen Aliens. Die Parallelen zur indigenen Bevölkerung Amerikas sind offensichtlich, ganz klischeefrei gehts auch sonst nicht. Es gibt aber genügend Grund zur Freude beim Lesen.

Nur Auflösen kann man einen solchen Konflikt wie auf Alflolol nicht mehr zu beiderseitiger Zufriedenheit. So endet die Geschichte denn auch mit der Abreise der Aliens. Der Konflikt wird nicht ausgespielt und das wird der Serie in der Folge immer wieder passieren. Vorläufig entschädigt das vorangehende Abenteuer noch dafür. Auf nach Alflolol!

SF-SERIE »ORBIT HOSPITAL«, TEIL 7: NOTFALL CODE BLAU

Wie setzt man eine Serie fort, deren Hauptperson Mediziner Conway ganz oben angekommen ist, ohne ihn gleich wieder vom Thron zu stoßen? Noch dazu, wenn man die Geschichte des riesigen Weltraum-Hospitals mit liebgewonnenen Charakteren weiter erzählen will?
Autor James White beantwortete die Frage 1987 mit CODE BLUE: EMERGENCY.

Die außerirdische „Krieger-Chirurgin“ Cha Thrat rettet auf ihrem Heimatplaneten einem abgestürzten Monitor das Leben. Dafür gewährt man ihr ausnahmsweise ohne weitere Vorabprüfungen zum Orbit-Hospital zu wechseln.
O’Mara ist nicht sehr begeistert. Sie verehrt ihn als höherstehenden Arzt und zieht ihn in die Krankengeschichte eines Wasserlebewesens hinein, das dank eines »kleinen Fauxpas« fast die ganze Krankenstation zerlegt.

Eine kurze Begegnung mit Conway endet irgendwie auch nicht so, dass der Rest des Krankenhauses die Chirurgin in der Nähe haben möchte. Da man sie zu Hause nicht unbedingt schnell wiedersehen will, verdingt sie sich als Technikerin und gerät mitten in einen Einsatz der Rhabwar, Murchison und Prilicla an Bord, wo sie wieder als Heiler gefordert wird. Doch ihre Neugier auf einem aufgefundenen fremden „Totenschiff“ hat beinahe fatale Folgen …

Es ist wieder ordentlich was los. Die Idee, das Hospital und seine Bewohner durch die Augen eines Neulings sehen zu lassen bringt frischen Wind. Selbst O’Mara muss raus aus seinem Büro und darf dort weiterknurren. Lesenswert.

SF-SERIE »ORBIT HOSPITAL«, TEIL 6: DER WUNDERHEILER

Nachdem Autor James White die Serie nach dem dritten Buch praktisch als beendet ansah, motivierte ihn Ballantine Books acht Jahre später zu einer Wiederaufnahme. Nun, mit STAR HEALER von 1984, bringt er die Geschichte um den Mediziner Conway mit einem extra dafür geschriebenen Roman als Band sechs zu einem Ende.
Heyne brachte es bei der Veröffentlichung 1995 allerdings fertig, Band sechs und sieben zu vertauschen. Sieben? Ja, genau, nach dem sechsten war doch nicht Schluss, wenn sich auch einiges ändern wird – oder besser: Muss.

Die einschneidendste Änderung trifft Conway gleich zu Beginn. Er wird auf dem Rettungskreuzer »Rhabwar« durch einen Formwandler abgelöst, der ihn im Ersten Kapitel praktisch herausfordert, Sherlock Holmes zu spielen. Anschließend darf Conway sich darauf vorbereiten, künftig als Diagnostiker im Hospital zu wirken. Ob er dafür allerdings befähigt ist, wird sich erst erweisen müssen und O’Mara ist da gewohnt skeptisch.

Die Probleme mit den vielen »Bändern« im Kopf und Conways übliche Hybris, die ihn beinahe an einer Vergiftung sterben lässt, sind nur einige der Hindernisse auf dem letzten Karriere-Schritt. Er engagiert sich in der FROB-Geriatrie und schafft die erste persönlichkeitserhaltende Geburt eines »Beschützers« (siehe vierter Band). Natürlich vollendet Conway seinen Weg in den Ärzte-Olymp, doch ein bissel mitfiebern und amüsieren dürfen wir uns dabei schon.

SF-SERIE »ORBIT HOSPITAL«, TEIL 5: SECTOR GENERAL

Dies ist der letzte Band mit Kurzgeschichten rund um das Orbit Hospital. Das Buch, benannt nach dem Kurznamen des Krankenhauses (»Sector General Hospital«), erschien bei Heyne 1993, glatte 10 Jahre nach dem Original.

»Ein Unfall« geht es in die Zeit vor dem Hospital und schildert sozusagen den Gründungsmythos. Zwei uralte Kriegs-Veteranen, tingeln seit Jahrzehnten durch die Lande. Niemand will hören, wie schlimm Krieg ist. Nach einem Unfall auf dem Nidianischen Raumhafen, bei dem sich unterschiedlichste Aliens gegenseitig retten müssen, kommt den beiden eine Idee: Nicht Angst soll die Völker einander näher bringen, sondern eine gemeinsame, positive Vision.
Wenn die EU mal wieder eine Idee bräuchte, wie man Aufbruchstimmung erzeugt … SF machts möglich!

Die anderen drei Stories drehen sich wie der Vorgängerband um den Rettungskreuzer »Rhabwar« mit Chefarzt Conway an Bord.
In »Nachforschung« bewahrheitet sich, dass die größte Gefahr mitunter den Rettern droht. Ein Alienschiff ging auf einem ungemütlichen, nur von Pflanzen besiedeltem Planeten runter. Die Besatzung wird bewusstlos vorgefunden, doch scheinen fast alle verstümmelt. Ist ein Tier ausgebrochen oder gar ein Kannibale unterwegs? Den Rettern läuft die Zeit davon, denn die Vegetation hat bereits »Blut geleckt« und rückt schnell näher.

Neben diesen zwei sehr originellen Orbit-Hospital-Stories, finden sich zwei weniger Gelungene. Besonders der Abschluss mit »Gemeinschaftsoperation« geriet etwas überlang, obwohl Conway gleich drei der größten Monitorkreuzer für eine Rettungsaktion einspannt.
Egal, es gibt Alien-Rätsel, Spannung und Action: die Top-Geschichten sind die Anschaffung wert!

SF-Serie Valerian & Veronique« – Im Reich der Tausend Planeten

Gute SciFi findet nicht nur in Büchern und Filmen statt, manchmal auch im Comic. 1967 brachen die Autoren »Linus« Christin und »Mezi« Meziéres mit ihrem Helden VALERIAN auf in ferne Welten. Das waren zunächst allerdings nur zwei Zeitreisen, die das Potential der Show noch gar nicht ahnen ließen.

Im Galaxity des Jahres 2720 träumen die meisten Menschen nur so vor sich hin, obwohl Raum/Zeit-Sprünge doch wirklich lustige Reisen ermöglichen würden. »Schlechte Träume« führt Raum/Zeit-Agent Valerian in eine Art Mittelalter, in der ein Fiesling Zaubersprüche klauen möchte, um die Macht an sich zu reißen. Dort trifft er auf Veronique (i.Org. Laureline), die sich als Hilfe entpuppt und künftig nicht mehr von seiner Seite weicht.

»Die Stadt der tosenden Wasser« bringt den Helden ins New York des Jahres 1986, das von einer gewaltigen Katastrophe überflutet ist. Diese Zukunftsschilderung – die Story entstand 68 (Zahlendreher!) – würde den Autoren auf die Füsse fallen, falls die Serie denn das reale 1986 erreichen sollte. Aber das war noch weit weg. Anschließend erprobten die Autoren in einer Serie von Kurzgeschichten, was noch ging: Raumschiffe und seltsame Aliens.

Endlich war das Erfolgsrezept gefunden und mit dem dritten albenlangen Abenteuer »Im Reich der Tausend Planeten« startete die Serie richtig durch. Die Erforschung außerirdischer Welten, das Geheimnis um die »Kundigen«, Verfolgungsjagden, bizarre Geschehnisse, Gesellschaftskritik und Tragik.
Kein Wunder, dass der Valerian-Spielfilm sich hier bediente.
SF at its best. Reinlesen!

SF-SERIE »ORBIT HOSPITAL«, TEIL 4: AMBULANZSCHIFF

Medizinische Hilfe im Notfall? Damit will die Föderation bei Erstkontakten ihren guten Willen unterstreichen. So wird dem Hospital das Ambulanzschiff »Rhabwar« zur Verfügung gestellt.
Wenn es um die Besatzung geht, kann Chef O’Mara gewohnt knarzig nicht umhin Chefarzt Conway zu nominieren. Das Ärzteteam wird komplettiert durch Pathologin Murchison, den empathischen Dr. Prilicla und der kelgianischen Schwester Naydrad.

Bei der ersten Mission trifft man auf das irdische Generationenschiff »Einstein«. Da man an Bord auf uralte Grippeviren trifft, sollte man die Story vielleicht nicht unbedingt zur naselaufenden Winterzeit lesen 🙂
Eine Regel gibt es bei allen Alien-Krankheiten im Hospital: Die Erreger springen nie auf andere Spezies über. Aber was, wenn das Ambulanzschiff dann doch mal auf die Ausnahme von der Regel trifft, bzw. bereits getroffen ist?

Bei der letzten Story im Buch frönt der Autor James White wieder seinem Faible, sich ausgefallenste Aliens auszudenken. Hier sind es »Die Blinden«, die eine ungewöhnliche und sehr kurzzeitige Symbiose eingehen: mit den telepathisch begabten Ungeborenen der »Beschützer«. Wenn das Mal keine »Bergung mit Hindernissen« gibt.

Während Moewig in seiner Ausgabe von 1980 ein Vorwort des Autors und ein Nachwort des Herausgebers lieferte, machte Heyne 1993 das Vorwort zum Nachwort, spendierte aber die bis dahin nicht in den Büchern enthaltene Kurzgeschichte »Der Raumvogel«.

Wie alle frühen Orbit Hospital Bände, ist auch AMBULANCE SHIP (1979) geeignet für Liebhaber schräger Alien-Rätsel, die gerne mitraten, bevor Conway auflösen kann, mit welchem (medizinischen) Problem man es gerade zu tun hat.
Ansonsten hat sich nach den Jahren wenig geändert: Murchison bleibt hübsch, nur Conway wird dicker. Wie im richtigen Leben halt.