SF-Prachtstück: HOSPITAL STATION

Das große SF-Vermächtnis des Iren James White (1928–1999) ist das ORBIT HOSPITAL / SECTOR GENERAL HOSPITAL. Es befindet sich irgendwo zwischen Milchstraße und der Großen Magellanschen Wolke. Auf 384 Ebenen werden Atmosphäre, Gravitation, Temparatur usw. zur medizinischen Versorgung Dutzender verschiedener Lebensformen der galaktischen Föderation geschaffen.

White war Schneider und später PR-Manager, ehe er wegen eines Augenleidens nur noch als Autor arbeitete. Hier erzählt er in 5 Kurzgeschichten, die zwischen 1957 und 1960 entstanden, wie es losging, mit O’Mara, dem Chefpsychologen, sowie Conway und seinem Aufstieg vom Assi zum Chefarzt.

Die Sammlung kam 1962 als »HOSPITAL STATION« heraus, eine erste Übersetzung gab es schon 1965 als »Die Weltraum-Mediziner« für Moewig. Ullstein kürzte in seiner Übertragung 1977 immer wieder, u.a. O’Maras große Klappe oder Gags wie den mit »Emily Bronte(-Saurus)«. Den mitunter schrägen Humor kann man in voller Gänze in der Heyne-Übersetzung von 1993 genießen.

Wiederkehrendes Motiv ist stets das Rätsel, das der jeweilige Patient den Medizinern stellt. Raumschlachten und Katastrophen sind dem Autor fremd. Er erzählt, wie Ärzte überhaupt fremde Wesen behandeln können (»Schulungsbänder«) und erschafft ein Klassifikationssystem für fremde Lebensformen mit Hilfe von 4 Buchstaben:

So steht der Erste Buchstabe für den allgemeinen Stoffwechsel:
A-C = Wasser-Atmer
D-F = warmblütig Sauerstoffatmer
G-K = Sauerstoffatmer, Insekten unter geringer Schwerkraft
L-M = Sauerstoffatmer, Vogelartige
O-P = Chlor-Atmer
Q-Z = Spezialisten: Strahlungsverwerter, Kristalline, Gestaltwandler usw.
Menschen werden als DBDG klassifiziert (bei Ullstein fälschlich DBGD).

O’Mara muss sich beim Bau der Station um ein „FROB-Baby“ kümmern: Das hat 6 Gliedmaßen, ist 4G gewöhnt und hat schon eine halbe Tonne Gewicht. Wie er das meistert und bereits seine Psycho-Spielchen anfängt, gibt es hier zu lesen.
Außerdem: Conway als Mediziner mit Berufsethos der in die Situation kommt, wo er schließlich doch zur Waffe greifen muss …

Luft holen nicht vergessen!

Zum Jahresanfang lieber Rückschau auf das was war, oder Ausblick auf das, was kommt oder kommen könnte? Besser Zukunft, dann hab ich selbst schon mal einen Überblick, worauf ich mich wieder einlasse 😉

Schön, wenn man genug Geschichten hat, um Material für mehrere Anthologien anbieten zu können. Einige sind für dieses Jahr eingeplant und zwei Lesungen gleich mit. Ist Ehrgeiz vorhanden, doch noch Neues dafür zu schreiben? Schon, doch dafür müsste die Muse Überstunden machen … überreizen sollte man nicht.

Auch dieses Jahr gibt es Sachtexte zu verfassen, das läuft irgendwie immer. Schon schön, wenn man nach Texten gefragt wird. Allerdings fällt es dann auch um so schwerer, Nein zu sagen. Und bloß kein Stress neben dem Brotjob, gelle. 😉

Vor allen Dingen lauert da ein Romanprojekt. Ob es damit ernst wird, entscheidet sich im Frühjahr. Sollte das alles so gehen wie gedacht, umso schöner. Ansonsten: Wichtiger ist halt doch, dass daneben noch Zeit bleibt, sich einfach vom Leben treiben zu lassen … 🙂

Mark Brandis – 31 Abenteuer im Weltraum

Als der Verleger 1969 Nikolai von Michalewsky nach Science Fiction fragte, hatte der nichts damit am Hut. Der Autor und Dokumentarfilmer aber war viel in der Welt herumgekommen und hatte etwas zu erzählen. Noch wichtiger: Der Verlag wusste, der Autor hatte etwas zu sagen.

Als der Verleger bei ihm eine Reihe SF-Bücher orderte, ahnte er vermutlich schon, was er bekommen würde. Einen selbstreflektierenden Romandhelden, keinen Haudrauf. Einer, der für die Freiheit kämpfte und dennoch Mensch bleibt, ohne abzuheben. Seine Werte sind Toleranz, Menschlichkeit und Gerechtigkeitsstreben (drei Worte die so ähnlich auch bei der Laudatio für den diesjährigen Friedenspreis des Buchhandels fielen – wenn auch nicht für SF-Literatur).

»Mark Brandis« hieß die Reihe, nach dem Ich-Erzähler in 31 Romanen (okay, einige erzählen andere), die bis Mitte der 1980er Jahre erschienen. Brandis ist zunächst Testpilot und sitzt somit immer in den neuesten Raumschiffen seiner Zeit – uns immer etwa 100 Jahre voraus, also ab ca. 2070. Dabei kam er nicht über das Sonnensystem hinaus, genau genommen siedeln die Menschen nur auf Erde, Venus, Mars und Uranus, aber fremde Welten braucht der Autor ohnehin kaum.

Thematisch bietet sich dem Leser ein breites Spektrum von Riesentieren über Künstliche Wesen bis zu Dystopien. Natürlich liest es sich anders als aktuelle SF. Zu Brandis Zeiten gab / gibt es kein Internet. Die Vereinigung von Ländern ganzer Kontinente zu supranationalen Gebilden ist momentan kaum denkbar. Der Aufbau einer Hauptstadt mitten im Atlantik wäre längst in Zeitverzug. Wer SF gerne liest, dürfte damit aber wenig Probleme haben.

Schreiberisch kann der Autor sehr wohl zupacken, Spannungskurven aufbauen und seinen Figuren jeden Rückweg abschneiden. Das liest sich flüssig, wenn auch mitunter mit etwas zu deutlicher Moral, aber das ist nichts Schlechtes. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, nie die Technik, und so ist das Ganze vor allem Fiction, wenngleich nicht immer sehr Science, also wissenschaftlich ungenau.

Dennoch macht es Spaß den Abenteuern an Bord des Raumschiffes Delta VII über die ersten vier Bände zu folgen. Zu sehen, wie ab Band 21 ein Rettungsdienst für Raumschiffe in Raumnot aufgebaut wird und seine Ideale verteidigt. Oder auch nur kleine Absätze zu finden, Juwelen, die einem etwas über das Leben erzählen, das Universum und den ganzen Rest. Lesen!

Ich präsentiere …

Aus gegebenem Anlass (3 Tage mit internationalen Sprechern) mal wieder eine Zusammenstellung zum Thema: Vortrag halten. Wenn man vor dem Publikum steht, kann man nicht alles beeinflussen. Aber ein paar Tipps gäbe es da doch.

1. Hab von dem, was du sagst, keine Ahnung! Am besten liest du dich Tage vorher etwas in das Thema ein. Auf diese Weise gerätst du am wenigsten in Versuchung, dein Zeitlimit zu überziehen. Ist die Präse schon nach der Hälfte der Zeit beendet, hat das Publikum Freizeit gewonnen! Du hast trotzdem kostenlosen Zugang zur Konferenz und womöglich sogar ein Hotelzimmer gesponsort bekommen.

2. Keine Interaktion! Hast du Umfragen oder Balkengrafiken? Hau jede Info sofort mitleidlos raus! Frag nicht vorab in die Runde nach ihrer Einschätzung. Du könntest dein Publikum aufwecken oder noch schlimmer: Seine Aufmerksamkeit zurückgewinnen. Womöglich Spannung erzeugen. Nein! Bleib in immer gleichem Tonfall und schwalle ohne Unterbrechung. Das schafft eine ganz spezielle Atmosphäre.

3. Sprich schnell! Insbesondere bei internationalem Publikum, dessen Englisch eingerostet ist. Alle sind so beschäftigt, das Gesprochene noch irgendwie aufzudröseln, dass niemand Zeit für Zwischenfragen hat. Falls du kein Englisch-Muttersprachler bist, dann mache nie einen Vorab-Test in deinem Umfeld. Ist doch unterhaltsam, wenn die Engländer nur Bahnhof verstehen (become? pregnant?) und die Übrigen selig über dein vorbereitetes Radebrechen grinsen. Lass keine Zwischenfragen zu, denn da würde garantiert niemand es menschlich finden, wenn du mal nach dem richtigen Wort suchst.

4. Lies vor! Pack dein geballtes Wissen gedrängt auf Slides (1800 Zeichen, kleine Schrift), die hinter dir an die Wand projeziert werden. Lies dir auf der Bühne alles vor, ohne mit weiteren Details zu langweilen. Dreh dich dabei ruhig zur Wand, um besser sehen zu können. Das Publikum, das noch nicht schläft, liest während deines Vortrages den Text ohnehin selbständig durch. Bonustipp: Falls du den Text schon auswendig kannst, schau zu Boden.

Viel Spaß beim vortragen!

Hänsel und Gretel reloaded – Konfliktlösung II

Zuletzt hatten wir einen Kompromiss als mögliche Konfliktlösung zwischen Protagonisten einer Geschichte. Neben Tod und Flucht gibt es da noch die schlichte Unterwerfung, aber je zivilisierter die Lösung umso komplizierter! Besonders für Gerichtsfilme geeignet ist die folgende Methode.

Alles auf Anfang: Die böse Stiefmutter schafft es, dass Hänsel und Gretel im Wald ausgesetzt werden. Die Beiden suchen ihren Weg und kommen an das Hexenhaus. Die böse alte Hexe lässt Gretel für sich schuften und sperrt Hänsel in den Käfig um ihn zu mästen und später zu essen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen: Die Hexe hat Hunger und befiehlt Gretel nach dem Ofen zu sehen …

Delegation als Konflikt-Lösung

Das Feuer ist ziemlich heruntergebrannt, da würde Hänsel nie durchbraten.
Gretel greift zur List: Sie könne die Temparatur nicht einschätzen. Die Hexe drängt nach vorne. Gretel schubst, die Hexe fällt und die gußeiserne Ofentür ist – Zack – zu!
Die Hexe tobt und schreit. Im Nu hat Gretel Hänsels Käfig geöffnet, da ruft jemand: »Keine Bewegung!«
Der Jäger steht in der Tür, das Gewehr auf die beiden gerichtet.
»Wir wollten nur …«, beginnt Gretel.
»Die arme alte Frau umbringen!«, vollendet der Jäger und geht zum Ofen.
»Genau!«, ruft die Hexe. »Schlimm die heutige Jugend!«
Der Jäger greift nach der Ofentür.
Hänsel tritt vor. »Vielleicht können Sie uns helfen? Das ist nämlich eine Hexe, die mich fressen wollte.«
»Gar nicht wahr!«, ruft die Hexe und mit lieblicher Stimme fügt sie hinzu: »Darf ich jetzt raus?«
Der Jäger zögert.
»Sie könnte sie verhexen, wenn sie jetzt öffnen«, warnt Hänsel.
Der Jäger fasst sich an die Nase. »Moment. Das will überlegt sein.«
»Na, gut«, ruft die Hexe. »Aber schnell!«
»Eingesperrt hat sie mich«, erklärt Hänsel und Gretel ergänzt: »Und ich musste die ganze Zeit für sie schuften!«
»Rührend gekümmert habe ich mich!«, hört man aus dem Ofen. »Und hier drin wird es allmählich echt heiß!«
»Freiheitsberaubung. Hm …« Der Jäger hebt den Zeigefinger. »Anderseits kann dir ein bissel Arbeit nicht schaden, Pummelchen.«
»Sie hat mich wie eine Sklavin gehalten!«, protestiert Gretel.
»Das hat man davon!«, ruft die Hexe. »Undankbares Pack! Darf ich jetzt endlich raus?«
Hänsel stampft mit dem Fuss auf. »Ich durfte auch nicht aus dem Käfig raus!«
»Das ist ein Punkt«, meint der Jäger. »Da müssen wir erstmal alles klären.«
»Au weh, au weh!«, hört man da aus dem Ofen. »Au! Au! Au!«
»Sie warten gefälligst!«, grollt der Jäger. »Wie kommt ihr Kinder eigentlich hierher?«
»Die Eltern haben uns im Wald allein gelassen.«
Der Jäger nickt. »Aufsichtspflichtverletzung! Dafür wandert mir eure Mutter in den Bau.«
Hänsel und Gretel schauen sich an. »Das ist doch nur unsere Stiefmutter.«
»So, so«, überlegt der Jäger. »Dann euer Vater. Damit seid ihr auch gestraft, wegen Körperverletzung an der Hexe.«
»Och«, schmollen die Kinder.
»Gut, ich glaube, jetzt ist alles geklärt.« Der Jäger grinst zufrieden. »Ich bring euch nach Hause.«
Er klopft an die Ofentür. »Also, sie bleiben noch ein paar Sekunden drin, dann ist es gut.«
Stille.
Der Jäger hebt die Schultern. »Äh. Wir gehen dann.«

Wir sehen wieder einmal, dass auch Delegation keine Gewähr für absolute Zufriedenheit bei allen Konfliktparteien gewährleistet.
Und keine Sorge: Das Biergartenwetter ist vorbei und ohne Schnapslaune gibt es hier keine Fortsetzung. Vielleicht sind beide Seiten dann auch zufriedener … 😉

Konfliktlösung a la Hänsel und Gretel

Der Ausgang des im Titel genannten Märchens setze ich mal als bekannt voraus: Eine der Konfliktparteien segnet das Zeitliche.
Das ist zusammen mit dem Fluchtreflex zugegeben die natürlichste aller Lösungen aber für unsere heutige Zeit natürlich nicht tragbar.
Suchen wir mal gesittetere Konfliktlösungsstrategien.

Der Anfang ist klar: Die böse Stiefmutter schafft es, dass Hänsel und Gretel im Wald ausgesetzt werden. Die Beiden suchen ihren Weg und kommen an das Hexenhaus. Die böse alte Hexe lässt Gretel für sich schuften und sperrt Hänsel in den Käfig um ihn zu mästen und später zu essen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen: Die Hexe hat Hunger und befiehlt Gretel nach dem Ofen zu sehen …

Ein Kompromiss als Konflikt-Lösung

Das Feuer ist ziemlich heruntergebrannt, da würde Hänsel nie durchbraten.
Gretel will Zeit gewinnen und erklärt schnips-fix Holz zu holen.
Draußen am Holzstoß liegt der große böse Wolf und ächzt. »Keine Sorge, Rotkäppchen, ich bin soooo voll …«
»Ich bin doch die Gretel …« Sie besinnt sich. »Ach, ja! Rotkäppchen! Und du bist der große böse Wolf.«
Er schaut in diesem Zustand wirklich nicht sehr gefährlich aus. »Du musst jetzt mit reinkommen und die Großmutter auffressen!«
»Oh, je«, jammert der Wolf und sie muss ihn stützen.
Drinnen angekommen erschrickt die Hexe bang-und-graus als sie Gretels Plan durchschaut. Sie steht zitternd vor dem Wolf.
Der klopft sich auf den Bauch. »Also, tut mir leid … aber auf einen Happs bekomme ich dich nicht gefressen!«
»Ja«, nickt die Hexe. »Dann nimm doch die Gretel. Die geht noch rein, oder?«
»Boah!« Der Wolf windet sich. »Leute! Entscheidet euch mal und bitte sprecht nicht dauernd vom Essen!«
»Moment mal!«, ruft Gretel. »Ich mache mich hier nützlich und das ist der Dank? Da drüben sitzt einer faul im Käfig und isst sich fett!«
Hänsel zeigt ihr den Vogel. »Ey, Sista! Hast du Hirnbrand oder was?«
»Klappe!«, ruft sie. »Wir suchen hier einen Kompromiss!«
»Wird das noch was?«, fragt der Wolf keuchend. »Der Jäger liegt mir quer im Magen.«
Hänsel ruft: »Lasst mich mal raus, damit ich seht, dass an mir nicht viel dran ist!«
So geschieht es. Er stellt sich hin, fröhlich-frei.
»Da seht ihr es. Die Gretel aber ist gut beieinander, die Spacke, oder?«
»Hey, Bro! Gehts noch?«
»Klappe! Wir suchen hier einen Kompromiss!«
Der Wolf sinkt zu Boden. »Oh, Mann. Der Jäger hat Großmutters Wein ge-ext. Ich habe bestimmt drei Promille!«
Er schließt die Augen und schnarch-ratz ist er eingeschlafen.
Da schauen sich die anderen Drei an. Hunger haben sie alle.
Die Hexe googelt ein Rezept für Wolf au Vin, dann ist der Tag gerettet.
Doch der Alkohol ist für kleine Kinder nicht!
Im Alkoholrausch der beiden landet die Hexe zum Nachtisch schubs-wupps im Ofen.
Und weil es so schön war, machen die beiden einen Laden für Haschkekse auf und lebten glücklich und inzestuös bis an ihr Lebensende.

Nun, das mit dem Kompromiss ist jetzt hoffentlich klar geworden.
Es scheint nicht optimal, man muss da wohl Vorsicht walten lassen.
Vielleicht fällt mir in der nächsten Schnapslaune eine weitere Alternative ein … 😉