Charakterisierung macht die Szene

Gestern Abend hab ich einer »Jury« die ersten 13 Normseiten des Romanprojektes vorgestellt, das sich eines historischen Stoffes annimmt. Der Einstieg ist weder actionreich noch spannungsgeladen, aber daran hatte ich auch kaum Gedanken verschwendet. Mir ging es mehr um das sprachliche Einfangen der vergangenen Zeiten, was gut ankam.

Charakterisierung macht die SzeneWas nicht soooo gut klappte, war die Charakterisierung des Protagonisten, der in einer »Midlife-Crisis« zu stecken scheint. Das war der Knackpunkt, den ich befürchtet hatte. Der Fehler lag wohl darin, dass ich hier kurzfristig etwas in die bereits bestehenden Szenen einmassiert hatte, weil mir der Protagonist sonst zu blass erschien. Die Lehre daraus: Baue Szenen um die Charakterisierung rüber zu bringen. Wenn du den Charakter änderst, musst du neue Szenen zur Vermittlung (er)finden.

Überraschend gut kamen die Dialoge an. Auf die hatte ich nicht sonderlich geachtet. Offenbar habe ich über die Jahre Handwerkliches gelernt, was auch mal im Automatikflug noch zum Tragen kommt. Die vielen Konfliktfelder rund um den Protagonisten wurden positiv notiert. Nun muss ich mich entscheiden: Weiterhin interessante Stoffe durchprobieren oder doch mal wieder einen Schreibmarathon, sprich Roman, angehen …

Vom Schreiben leben muss ich ja glücklicherweise nicht. Helge Malchow (Verlag Kiepenheuer und Witsch) hat letzte Woche im SZ-Interview erklärt, dass ein Autor von 20000 oder 30000 verkauften Exemplaren eines Buches kaum leben kann, wenn er so ein Werk nur alle 2 Jahre herausbringt. All zu viele Amateur-Kollegen geben sich hier Millionärs-Träumen hin. Vermutlich ist Lottospielen einträglicher. Für einen Selfpublisher sind einige Hundert Downloads schon eine schöne Sache und vierstellige Zahlen bringen auch Bauchkribbeln, wetten? 🙂