Der Innere Dialog

Wie bringt ein Autor rüber, was in einer Figur vor sich geht? An der Oberfläche haben wir da natürlich Dialog oder Erlebte Rede. Tiefer geht da schon der Innere Monolog oder der Bewußtseinsstrom. Nahe am Inneren Monolog ist der in „Alle meine Avatare“ exzessiv genutzte Innere Dialog zu finden, die moderne Variante Bewusstseinsvorgänge aufzuzeigen.

Der innere DialogDer Innere Monolog ist eine bewährte Technik, um die Gedanken eines Protagonisten literarisch abzubilden. Das kann bei starker Verinnerung der Charaktere zu sehr langen statischen Passagen führen. Der Innere Dialog wirkt dem entgegen, indem er im Charakter liegende Motive in Personen packt und verbal aufeinander losgehen lässt.

Hier ein Beispiel aus „Alle meine Avatare“, als Hannes soeben bei Gabi zu Hause ist, jedoch die Online-Spiel-Verabredung wartet. Da widerstreiten die Gefühle in ihm in Form von Xara und Jeffrey:
»Willst du wirklich noch länger versuchen bei ihr zu landen?«, fragte Xara. »Das wird nie was.«
»Es ist ohnehin Zeit einen Computer zu suchen«, sagte Jeffrey.
»Ach, Leute«, sagte Hannes. »Sie ist niedlich.«

Im Dialog können die Meinungen ganz anders aufeinander prallen und gegensätzliche Positionen können durch unterschiedlichen sprachlichen Ausdruck abgegrenzt werden. So als ob der Protagonist Engelchen und Teufelchen lauscht oder wie weiland Kermit den Spott von Waldorf und Stattler ertragen musste. Jedoch kann der Protagonist in den Dialog eingreifen um etwa zwischen den Positionen zu schwanken oder seltener mit nur einem Gegenpol Zwiesprache halten.

Die Inneren Dialogpartner können bei längeren Texten durchaus wechseln, etwa je nach Thema. Genauso gut ist es möglich, das immer gleiche Personal zu verwenden, solange ihre Meinung nicht beliebig wird. Zwei Innere Dialogpartner ist die klassische Kombination und es sollten schon gute Gründe vorliegen dem Protagonisten drei oder gar noch mehr „Innere Stimmen“ zuzuordnen.

Draufgänger gegen Zauderer! Ich gegen Es und Über-Ich oder -Es? Bauch gegen Verstand … Möglichkeiten gibt es genug! Auf gehts zum nächsten Projekt 😉