Der will nur schreiben

Allgemeine Tipps für Autoren raten heutzutage zur regelmäßigen Einnahme von Facebook, möglichst eines Blogzäpfchens und fünf mal Twittern am Tag. Aufgezählt werden dann stets die Namen derjenigen Autoren, die es geschafft haben und Social ungemein präsent sind. Von den hunderttausend die es auch damit nicht in den Olymp schaffen wird natürlich geschwiegen. Klar, Marketing ist wichtig, nicht nur für Selfpublisher, sondern auch Verlagsautoren.

Der will nur schreibenErstaunlicherweise wollen die zwei, drei Dutzend Autoren in meinem Umfeld trotz dieser deutlichen Warnung gar keine große Internetpräsenz, ja, sie verweigern sich Linkedin, google+, Instagram oder pinterest. Bücher von ihnen werden bei Verlagen dennoch veröffentlicht, ohne das sie großes Gewese bei Youtube machen. Dieses skandalöse Verhalten muss ich auf meinem Podcast brandmarken! Hab aber keinen Podcast.

Diese Autorenkollegen wollen ihre Geschichten dennoch an den Leser bringen. Sie verteilen schon mal Flyer im Umfeld (gerne auch per Mail, man ist ja modern 🙂 und – sie veranstalten Lesungen. Sie lassen sich weiterempfehlen, voll analog, nicht digital. Sie machen Sachen, die längst out sind! Und sie leben und schreiben doch!

Du lieber Himmel, das funktioniert? Möglich, dass hier Potential liegen bleibt, aber mancher Autor gewinnt dadurch auch Zeit zum schreiben. Und das ist schlicht die Hauptsache (hm, war da nicht was mit Geld? Ach, komm!). Nicht jeder ist Vollzeitautor: lässt von 9 bis 11 die Kreativität fließen und widmet sich den Nachmittag über den Social Networks, bevor er abends durch die Kneipen zieht (ja, leider, bin ich auch nicht Vollzeit …)

Offensichtlich halte ich mich ebenso wenig an die simplen Regeln des Bloggens, von wegen Kommunikation und Teilen, sondern salbadere vor mich hin, was mir gerade einfällt. Warum verzichte ich so fahrlässig auf zigzehntausende Friends und Follower, die mich mit dem nächsten Roman garantiert zum Millionär machen würden? Verdammt, warum habe ich so gar keine Lust auf SEO und Internetmarketingstrategien?

Vielleicht liegt das, was ich und meine nicht-bloggenden Kollegen aussagen wollen, nicht in den Bits und Bytes, sondern (eReader mal ausgenommen) es liegt zwischen zwei Buchdeckeln. Dort sagen wir mehr als mit zwanzig Kurznachrichten am Tag. Es gibt eben auch weniger digtial-kommunikative Autoren – und wir haben ein paar Millionen weniger auf dem Bankkonto als all diejenigen, die ihre Schriftstellerkarriere mit Hilfe solcher Marketing-Tipps perfekt durchplanen.
Sie twittern nicht, sie bloggen nicht und die Leser mögen sie dennoch.