Es schreibt sich, es schreibt sich nicht

Das Wochenende in der Mitte von mindestens zwei »Schreibaseits-Wochen«, die notwendig wurden, weil sich zu viel Außenwelt angesammelt hat, von der KFZ-Schadensregulierung (Stoff für eine Groteske) bis zur Steuererklärung (Real-Groteske). Was beschäftigt mich da?

Zum einen natürlich der Absturz des Space Ship Two, nachdem diese Woche bereits eine Antares-Rakete mit Fracht für die ISS kurz nach dem Start explodierte.
Der Weg ins All ist noch weit und steinig. Das war er immer. Ob ich mal in die Schwerelosigkeit aufbrechen kann (dazu muss es vor allem erschwinglicher sein als heute) ist keine Frage, die mich wirklich beschäftigt. Immerhin, in meinen Gedanken bin ich schon viel weiter, noch viel, viel weiter, hinaus 😉

Dann wäre da: »Wenn du das Schreiben lassen kannst« von Vladimir Sorokin (SZ vom 31.10.):
»Wenn du das Schreiben freiwillig lassen kannst, dann bis du kein Schriftsteller.« Falls die Umkehrung gilt, darf ich mich nun Schriftsteller nennen. Danke!
»Literatur als Schuss aus nächster Nähe! Man blutet die Geschichten heraus … vergisst die Wunde … schaut sich an, was man hervorgebracht …« Wow-Bilder und interessante Gedanken.
»Es schreibt sich nicht« könnte eine meiner Lieblingsredewendungen werden.
Sich beim Schreiben selbst überraschen – ja, das ist einer der wunderbarsten Momente. Dieses Essay ist unbedingt lesenswert!

Bäume Wolken und ein Streifen

Weit mehr beschäftigt mich eine dieser Tage nicht zu Ende geführte Diskussion unter Kollegen über Schreib-Stil und Schreib-Stimme.
Stil ist Kombination aus verschiedenen Komponenten, die der Autor zusammenpackt: Zunächst mal haben wir die Person des Autors und die lesende Zielgruppe (ups, da ist das böse Z-Wort).
Wie weit bringt der Autor sich selbst, also von Emotion bis Erziehung, mit ein, schreibt womöglich nur für sich? Das kann okay sein, sowohl für Schreiber als auch Leser.
Anderseits kann man sich seinen Lesern annähern, ihren Erwartungen und Gefühlen. Irgendwo auf der Wippe zwischen beiden kann man sich anordnen.

Und dann wären da noch Genre und Experimentierfreude:
Das Genre kann Vorgaben machen, etwa was lakonische Spionageromane angeht oder verkitschte Liebesgeschichten (nichts gegen die!).
Auf der anderen Seite kann man experimentieren, indem man mit Konventionen spielt oder schlichtweg die X-te Detektivfigur irgendwie besonders und damit interessant macht.

Aber die große Preis- (um nicht zu sagen: Streit-) Frage ist: Schreibe ich in einem bestimmten Stil oder innerhalb dessen mit einer bestimmten Stimme?
Wobei eine Stimme eben auch unhörbar sein kann, wenn man nichts Neues einbringt …
Und was bringt es einem nun für die eigene Schreibe, das genau zu wissen? Momentan wenig, denn ich habe (*grummel*) keine Zeit. Es schreibt sich nicht.