Pizza mit Honig

Gestern lief im BR »John Irving und wie er die Welt sieht« (BR). Ein paar Einblicke in seine Arbeit hat der Garp-Autor gegeben, allerdings meint er: »Die Leute würden einschlafen, wenn sie einem Schriftsteller bei der Arbeit zuschauen würden.«
Autoren müssten das Publikum emotional wie psychologisch beeinflussen, wie Shakespeare oder Dickens.

Kräne Bauma 2013Interessant am Arbeitsprozess, wie Irving ihn zeigte war auch das von hinten nach vorne planen. So wie angeblich auch Margret Mitchell »Vom Winde verweht« entworfen hat: Vom letzten Kapitel ausgehend weiß man so im voraus, wo man die Charaktere demnächst hinhaben möchte.
Auch wenn Irving kurz das Wort »Architekt« in den Mund nahm, verwendet er dann doch eher »Straßenplan« als Metapher für das Exposé.
Das ist mir entschieden lieber, denn man muss nicht vorab jeden Grashalm am Straßenrand beschreiben und kann mittendrin auch einfach mal quer über den Acker brettern. Solange man das Ziel nicht aus den Augen verliert.

Wie kommt nun der Honig in die Pizza, oder genauer, den Pizzateig?
In der Doku wurden u.a. Leute gezeigt, die der Autor in der Vergangenheit als Vorlage für Romanfiguren dienten. Die Leute in einer Restaurant-Küche, die Irving beobachtet hatte, fanden sich im Roman wieder. Sie übernahmen umgekehrt die Idee des Autors, Honig an den Pizzateig zu geben.
Und ist es nicht das, was ein Schriftsteller gerne hätte? Die Realität ein Klitzekleinbischen verändern … 🙂