Schreiben als Sucht?

Gestern Abend gab es in LIDO (BR) wieder ein Autorenporträt. Diesmal war T. C. Boyle dran, der im Leben manche Sucht überwunden hat, aber am Schreiben hängen geblieben ist. Für ihn ebenso viel Therapie wie Meditation.

Schreiben als SuchtWie der Autor anfangs verrät, schreibt er den ganzen Tag, wenn er ein Projekt hat. Er wirkt allerdings ehrlich gesagt auf mich nicht so. Im weiteren Verlauf scheint das auch leicht geflunkert, angefangen bei regelmäßigen Wanderungen und Ausflügen zu den Mammutbäumen. Ein Genie – und seien wir ehrlich: erfolgreiche Autoren sind immer Genies 😉 – muss eben an seinem Ruf feilen, sonst glaubt Hinz und Kunz noch, Schreiben wäre ein einfacher Job.

Ähnlich ist es wohl beim Arbeitsstil, der eines Genies würdig ist: Boyle schreibt drauflos, ohne sehr viel geplant zu haben. Schließlich freut er sich, wenn alle Handlungsstränge aufgehen. Da kann man allerdings gratulieren aber vermutlich hat der Mann mittlerweile so etwas wie Übung im Bücherschreiben. Als Tipp für den Nachwuchs würde ich dieses Vorgehen zumindest nicht uneingeschränkt empfehlen.

Warum schreibt Boyle? Wie kommt jemand darauf, das Schreiben eine Sucht ist? Tja, der Mann gibt tatsächlich das größte Geheimnis der schreibenden Zunft preis: Das Gefühl bei der Fertigstellung eines Werkes ist ein gewaltiger Schuss. Ein Feuerwerk, ach was, ein Vulkanausbruch der Hormone. Rauschhaftes Hochgefühl. Ja, so ist das!
Nun ja, das und natürlich die liebe Kunst, weswegen wir Schreiber uns an diese harte Arbeit machen, uns kasteien und ausbeuten …