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Wie man Autoren nervt

Es gibt Fragen, mit denen man als Zuhörer die Stimmung eines Vorleseabends killen kann. Hier einige Beispiele:

AutorIn liest Satire über Kriegsveteran, der die Berliner Luftbrücke mitbaut, vor Kuba den Atomkrieg verhindert, Nixon nach China bringt und Gorbatschow von der Perestroika überzeugt.
Publikumsfrage: Ist das biographisch?
Bonusnerv: Autobiographisch?
Was der Autor antwortet: Wer weiß?
Was der Autor nicht antwortet: Dumpfbacke.

AutorIn liest Krimi, bei dem der Ermittler auf dem platten Land einen Mord aufklärt, sich mit seiner Frau streitet und versöhnt und von Nachbar mal gehasst und mal geliebt wird.
Publikumsfrage: Was ist die Aussage?
Was der Autor antwortet: Das Kleinstadtmilieu ist genauso gefährlich wie das Großstadtleben.
Was der Autor nicht antwortet: Kleinstadt und Großstadt bergen beide intellektuelle Idioten.

AutorIn liest Komödie über eine Zugfahrt nach Italien durch zig Tunnel, gegessen wird Melone, Carpaccio mit Gürkchen und schließlich der Schiefe Turm bestiegen.
Publikumsfrage: Wissen Sie, was das psychologisch über Sie aussagt?
Was der Autor antwortet: Das ich ein Spitzenautor bin?
Was der Autor nicht antwortet: Perverser Kranker!

Ist dieser Beitrag biographisch? Wer weiß. Was ist die Aussage? usw.

Probieren Sie es doch mal bei der nächsten Lesung aus. Der Autor wird sie für solche Fragen liiiieben. Garantiert!

Kein Herbst hier

Kein Herbst hierWir sind schon über der Mitte des Jahres. Im Biergarten stehen endlich wieder Stühle statt der EM-Bierbänke. Die erste Werbung prophezeit einen tollen Herbst. Und was da nicht alles auf uns zu kommt! Ach? Ihr könnt mich kreuzweis! Jetzt ist erst mal Sommer. Der August ist heiß! Das zählt.

Gelegentlich steht eine Lesung an, so wie am »Haderner Stern«, 15. Juli. Ansonsten ist es staad. Alle Texte für Veröffentlichungen sind geschrieben, eingereicht und abgenommen. Die Publikation erfolgt irgendwann im Herbst. Bis dahin hab ich meine Ruhe. Das ist das Angenehme, wenn man vom Geschriebenen nicht Leben muss.

Okay, ein paar Projekte gehen mir schon durch den Kopf. Ob man im Biergarten sitzt oder auf dem Balkon. So ein Schreiber hat ja nie wirklich Ruhe vor seinen Gedanken. Egal, ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter. Dauernd will etwas geschrieben sein. Und wenn es nur eine Handvoll Blogtext ist.

Habe gehört, Liam Gallagher von »Oasis« meint, die wahre Kunst erschaffe ein Songwriter in seinen zwanziger Jahren: Frust und Träume und Kraft. Hat er recht? Ob das auch für Autoren gilt? Weiß nicht. Frust und Träume hab ich – wie wohl viele im Alter – noch genug übrig. Aber Kraft? Frusten wir uns lieber im Herbst … nicht wenn Sonne und Wärme sind.