Archiv der Kategorie: Luftschiff

Ein HAPS: Das Sceye Luftschiff

SCEYE baut einen »High Altitude Pseudo Satellite« (HAPS) oder auf gut Deutsch »Pseudosatelliten für große Höhen« (bzw. eine Plattformstation für große Höhen). Während die Konkurrenz vor allem auf Starrflügeldrohnen, teilweise auch Ballons setzt, baut SCEYE Luftschiffe.
Große Höhe bedeutet in diesem Fall an die 20 Kilometer weit oben in der Stratosphäre, jenseits den Flughöhen kommerzieller Flugzeuge, Wolken und Wetter.

Sceye

Im Herbst 2023 wurden drei Testflüge binnen drei Monaten absolviert und dabei u.a.
Drahtlose Datenverbindungen etabliert und diverse Nutzlast transportiert, u.a. Unterschall-Sensoren oder ein optisches Partikel-Spektrometer und insbesondere der Prototyp eines Aerosoluntersuchungsgeräts.
Treibhausgase in Echtzeit verfolgen zu können, ist eine Anwendungsmöglichkeit. Fotos, sprich »hochauflösende Erdbeobachtung«, sicherlich auch, und da als Konkurrenten Konzerne wie BAE, Mira, SoftBank, Airbus Aalto u.a. auftreten, lockt sicher ein Multi-Millionenmarkt.

Das mit Helium gefüllte Luftschiff von SCEYE könnte momentan weit mehr Nutzlast transportieren als vergleichbare Plattformen. Im Herbst wurden Start und Aufstieg geprobt, Fluglage und automatische Druckkontrolle getestet, sowie die Steuerung außerhalb der Sichtlinie. Die Energieversorgung eines monatelangen Fluges wird durch eine Schicht von Solarzellen sichergestellt.
Mal sehen, was man von diesen Plattformen künftig hören wird.

In den Wolken der Fantasie: Tim und Struppi’s Reisen in der Ära der Luftschiffe

Figurine Polizeiflugzeug 2016 Nr 29567Als Tim und Struppi begannen die Welt zu bereisen, erreichte der zivile Luftschiffbau seinen Höhepunkt. Tim fuhr und flog alle technischen Gerätschaften, doch ein Luftschiff hat er nie gesehen. Verpasste Chancen für legendäre Begegnungen. Eine kleine Spekulation …

Die unvergleichliche Saga von Tim und Struppi begann im Januar 1929. Die Welt war im gesellschaftlichen Umbruch. Getrieben von politischen Unruhen und technologischem Fortschritt. Genau das Richtige für den Reporter und seinen treuer Begleiter.

Tim im Lande der Sowjets - FarbversionAm Vorabend der Weltwirtschaftskrise feierte der Kapitalismus an den Börsen Rekorde. Tims erste Reise, »Tim im Lande der Sowjets«, führte ihn jedoch mitten in den real existierenden Sozialismus.
Die Pioniertage der zivilen Luftfahrt lagen Jahre zurück, doch die Rivalität zwischen Propellermaschinen und Luftschiffen blieb. Die schwebenden Riesen hatten die Nase vorne, ging es um Langstreckenrekorde, spektakuläre Flüge über den Nordpol oder ganze Ozeane und wieder zurück.

Kaum über der Grenze im Sowjetreich begegnete Tim der Eisenbahn und glücklicherweise entkam er ihr, bevor sie ihn überfuhr. Er flüchtete mit einem Motorboot vor schießwütigen Schergen und verunglückte beinahe. Mit unverschämtem Glück kurvte er mit einem Wagen durch den Staub der Landstraßen. Erst zur Hälfte des Albums, durfte der Reporter endlich die Silhouetten der Kremltürme und die Glocken der Basilius-Kathedrale erahnen.

Mashup: Figur und Luftschiff CCCP-6

Dabei hatte man im Land bereits sogenannte Prall-Luftschiffe (modern: »Blimps«) gebaut, sozusagen Gas-Ballone, an deren Gondel man Steuerruder und Propellermotor anbrachte. Unter anderem »Moskowski Chimik-Resinschtschik« (Moskauer Gummi-Chemiker), das anno 1926 von Andrei Tupolew für vier Personen entworfen worden war.
Oder den 63,5 m langen CCCP-B3, der mit 2 x 240 PS Motoren beeindruckende 100 km/h erreichte und von der weltersten Luftschiffkommandantin gelenkt wurde.

In der Abenddämmerung schweben Tim und Sturppi über das Land. Der Motor brummt in monotonem Rhythmus. Endlich werden die Konturen Moskaus sichtbar. Die Sonne taucht die Kuppeln der Kirchen und Türme in goldenes Licht. Passanten deuten zu ihnen herauf, während die Zeit stillzustehen scheint.

Das wäre für Tim eine Brise Modernität gewesen, um den gefährlichen Weg zu überbrücken, die Abenteuerlust des Reporters perfekt ergänzend. Doch in seiner Redaktion wohl nicht gerne gesehen.

Figur aus Set Nr 46905 - Moulinsart Mini 2018Nur kurz verweilten Tim und Struppi in der Großstadt und sicher nicht zum Verschnaufen. Bald waren sie erneut unterwegs, raus aufs Land und sehr schnell mitten in freier Natur, irgendwo am Ural möchte man meinen, wo ein Echo von Sibirien in der frostigen Luft vibrierte. Eine schier endlose Schneewüste.

Titina - Kinofilm
Kinofilm 2022: Die Nordpolfahrt mit der NORGE und Nobiles Hund Titina

Ähnlich weiß, leer und stürmisch mag es am Nordpol gewesen sein. Wenige Jahre vorher, 1926, war das Luftschiff NORGE glorreich über den nördlichsten Punkt der Erde gezogen, 1928 folgte die ITALIA, die jedoch abstürzte. Erbaut und kommandiert wurden beide von einem Italiener, der Anfang der 1930er in die Sowjetunion übersiedelte, um dort Luftschiffe zu bauen: Umberto Nobile.

Er galt als Meister der schon deutlich größeren »Halbstarren Luftschiffe« (alternativ: »Kiel-Luftschiffe«). Bei denen wurde, vereinfacht gesagt, ein fester Rahmen zwischen Ballon und Gondel eingezogen. An diesem unten liegenden Rahmen (»Kiel«) konnten Steuerruder und Propeller aerodynamisch günstig angebracht werden.

Der geheimnisvolle Stern

Was wäre, hätten Tim und Struppi viel später, im Herbst 1941, in »Der geheimnisvolle Stern« das Nordpolarmeer mit einem solchen, etwas über 100 m langen halbstarren Luftschiff überbrückt?

Von Nebelschleiern umfangen zieht das Schiff  mit Tim und Struppi an Bord über die eisigen Schollen und Berge des Nordpolarmeeres. Der rhythmische Herzschlag der Motoren begleitet die Expedition. Die Schönheit in Weiß lässt selbst die erfahrensten Wissenschaftler an Bord ehrfürchtig erschauern.

Eine Vision voller Dynamik und Abenteuer! Doch hätten wir Haddock vermisst, der auf den sieben Meeren zu Hause ist und nicht in der Luft.
Wäre aber die Konkurrenz damit aufgestiegen? Sie hätte mit Hilfe von 3 Motoren auf etwa 115 km/h beschleunigt das Ziel erreicht und unsere Helden weit hinter sich gelassen!


Zum Nordpol: In den 1920ern ein schwieriges Unterfangen, das tragisch enden konnte.
Heute kommt der deutsche Eisbrecher POLARSTERN dort bei Tauwetter mit einem Drittel seiner Maschinenleistung an!
Ein Anzeichen mehr, aber immer noch zuwenig um uns wachzurütteln? Siehe ARD Mediathek: „Expedition Arktis 2“


In den 1930ern arbeitete Nobile in einer Werft nahe Moskau – sicher ein faszinierender Ort für den Reporter. Insbesondere, da der Ingenieur zunächst einmal Material beschaffen musste. In seinen wenigen Jahren im Land baute er Passagier-Luftschiffe, die bis 1940 genutzt wurden.

Mashup: Figur und Luftschiff Norge

Als Beispiel sei die OSOAWIACHIM (Allunionsgesellschaft zur Unterstützung der Luftfahrt und der chemischen Verteidigung) genannt, die sich am 5. November 1934 in die Lüfte erhob. Nobile blieb seinen erfolgreichen Entwürfen treu, und so war auch dieses Schiff wie NORGE oder ITALIA knapp über 100 m lang.
In der Folge stellte die Flugmaschine einen Dauerfahrtrekord für Luftschiffe auf. Im Februar 1938 stürzte sie bei einer Rettungsmission für Arktisforscher ab.

Figurine Sowjetflugzeug Nr 29529In den Weiten Sibiriens entdeckte Tim ein Geheimlager und ein Flugzeug, das ihn aus dem Eis eilig zurück nach Westen trug, bis zu einem der Flughäfen Berlins. Diese Plätze im Sog der rasenden Propeller waren Treffpunkt von Reichen und Schönen oder einfachen Familien, die ihr Picknick am Rande des Grüns veranstalteten. Die Piloten wurden mit Schädelweh-Garantie gefeiert.

War es das Tempelhofer Feld im Herzen der Millionenstadt, oder Staaken am westlichen Rand? Staaken war 1919 Ziel der ersten regelmäßigen Luftschiff-Linie mit Startpunkt in Friedrichshafen am Bodensee. Drei Mal die Woche ging es mit dem Zeppelin hin und anderntags zurück.

Mashup: Tintin Flugzeug-Sets, Zeppelin, Tempelhof 1920er

Zeppelinträume 1 Cover VorderseiteZeppeline waren sogenannte »Starr-Luftschiffe«, die aus einem Aluminiumgerüst bestanden. Das brachte enorme Stabilität und mit Tuch verkleidet und Gaszellen im Inneren war durch diese Bauweise ein Ozeanflug realistisch. Genau das, was einem Globetrotter wie Tim Bauchkribbeln hätte bereiten können.

1929 schickte sich der im Vorjahr erbaute GRAF ZEPPELIN, mit einer Länge von 236,6 m und Kabinen für 24 Fluggäste an, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 km/h eine gefeierte Weltumrundung zu unternehmen. Zig Reporter flogen mit – und eine Reporterin, samt ihrer Katze. Aus Rücksicht auf Struppi konnte Tim da unmöglich an Bord 😉

Figur Moulinsart Nr. 42179Die Widersacher des Reporters gaben nicht auf, doch er entkam ihnen erneut. Noch einmal sprang Tim ins Auto und crashte damit in einen Zug, der ihn zurück nach Hause brachte. Das Ende vom Anfang zahlreicher Abenteuer.
Und die erste, von vielen verpassten Gelegenheiten, mit einem Luftschiff davonzuschweben. Bald mehr davon …

 

Starterlaubnis für den Pfadfinder

Nach langer Entwicklungs- und Bauzeit und ersten Flugversuchen in der Halle ist LTA nun soweit. Das fast 125 Meter lange Luftschiff hat eine Flugerlaubnis für die Umgebung von Palo Alto im Silicon Valley, allerdings nur bis zu einer Höhe von 460 Metern.

Flugrevue - Starterlaubnis für Luftschiff
Das Skelett des Riesen besteht aus Kohlefaser und Titan. Seine 13 Nylonzellen sind mit einem Helium-Isotop gefüllt. Bis zu 14 Menschen können in einer Kabine mitschweben. Dieses Bauteil stammt von niemand Geringerem als von Zeppelin-NT aus Deutschland.
Die Testflüge sollen Erkenntnisse zum Bau eines größeren Luftschiffes liefern. Es dauert also noch. Aber: Immerhin kommt hier mal was aus der Halle in die Welt!

Titina – Gassenhund auf Nordpolfahrt

Wie kommt ein römischer Gassenhund auf Nordpolfahrt? 1926 – Der italienische General und Luftschiffingenieur Umberto Nobile nimmt den Hund zu sich.

Titina - film

Bald kommt der Auftrag, ein Luftschiff für eine Nordpolexpedition des norwegischen Polarforschers Roald Amundsen zu bauen.
Natürlich ist nicht nur der Italiener mit an Bord, sondern auch die kleine Terrier-Hündin TITINA, aus deren Perspektive erzählt wird.
„Titina“ – Ab 2. November 2023 im Kino.

Um die Welt mit Wasserstoff und Sonnenlicht

 

Es wird allmählich wirklich Zeit der Welt die Leistungsfähigkeit von Luftschiffen zu beweisen. 2026 möchte EuroAirShip es mit SOLAR AIRSHIP ONE versuchen, indem sie die Erde umrunden. Die Piloten haben damit schon einige Erfahrung, etwa 1999 im Ballon und 2016 im Solarflugzeug.

SolarAirship One im Flug

Das Starrluftschiff soll 151 Meter lang sein und fasst 50000 Kubikmeter Wasserstoff. Angetrieben wird es mit erneuerbarer Energie, sprich vor allem mit Sonnenlicht, wofür 4800 Quadratmeter Solarzellen sorgen werden. Nachts kommt eine Brennstoffzelle zum Einsatz.

SolarAirship One Solarzellen

Die Route soll näher am Äquator erfolgen, als anno 1929 im Zeppelin, wobei 25 Länder passiert werden. Die 40,000 km können in einigen hundert Metern Höhe zurückgelegt werden, wenn man vom Boden gesehen werden möchte, anderseits aber auch in bis zu 6000 Metern Höhe. Wie immer wenn es um Luftschiffe geht ist Geduld gefragt, aber es könnte sich lohnen.

SolarAirship One Überflug

AirCruise

Bei SeymourPowell denkt man nicht groß sondern rießengroß. Ein kolossales Starr-Luftschiff genügt den Briten nicht, nein, es muss ein gigantisches schwebendes Hotel sein.
Obwohl das Konzept schon etliche Jahre alt ist, fasziniert es immer noch.

Seymourpowell Aircruise

Sieht man die Bilder, hebt man sofort ab. Ein absolut phantastischer Entwurf.
AirCruise ist ein vertikales Luxus-Luftschiff das wie ein Ballon in der Luft steht und das Reisen zum Erlebnis macht, während man – wie einst – langsamer als ein Jet über den Himmel zieht.

Seymourpowell AirCruise unterwegs

In dem 265 Meter hohen Entwurf befinden sich Hotelzimmer (inkl. Penthouse), Restaurants / Bars und – natürlich – Aussichtsplattformen. Fast 400 Tonnen werden hier mit Wasserstoff in der Luft gehalten.  Solargetrieben sollen bis zu 150 km/h erreicht werden (siehe auch GEO).
Bis auf weiteres kann man freilich nur im Kopfkino die Koffer packen.

Pfadfinder auf dem Weg

Mitte Mai machte das Projekt von Lighter Than Air Research (LTA) nach langer Zeit des Wartens seine ersten Schritte. Das «Pathfinder 1» genannte Baby flog fünf Minuten in einem Hangar in Mountain View (Kalifornien). Die Örtlichkeit überrascht, da man beim Unternehmen gern die Geschichte des Luftschiffbaus in Akron (Ohio) als Vorbild nimmt.

LTA Research Pathfinder 1

Exakte Daten zum Starr-Luftschiff sind kaum zu bekommen, so sind bei einer Tragkraft von 2-5 Tonnen die 3 Tonnen Spielraum nicht unerheblich. Die Länge wird mit 122 Metern angegeben, Nachfolger mit 185m und 200t seien aber in Planung. Im Vergleich mit dem Zeppelin NT (75m, 2t), der seit Jahrzehnten im Regelbetrieb fliegt, erscheint der Neue momentan schlicht als größerer Bruder.
Der Airlander (92m, 10t) ist KEIN Starr-Luftschiff und muss sich ab 2026 in großem Stil beweisen.

Das LTA-Konzept eines hochmodernen Fracht- und Hilfsgüter-Transporters vergleicht man eher nicht mit der Hindenburg von anno dunnemal, die für Linienflüge mit Fluggästen und Fracht konzipiert war (N-TV tut es hier).
Interessantes Detail am Neuen ist, dass der LTA Sproß auf mehrere Traggas-Zellen im Schiffskörper setzt (wie die alten Zeppeline) und nicht auf eine einzige riesige Traggashülle (NT, Airlander).

Es kann kaum verwundern, dass bei der jahrelangen Entwicklung sehr viel Geld nötig ist. Milliardär Sergey Brin (Google-Mitbegründer) hat einen Anteil am Unternehmen, der auf bis zu 250 Millionen geschätzt wird. Trotz dieser Summen: Es scheint noch ein längerer Weg für das Firmenmotto zu sein, «humanitäre Hilfe voranzutreiben und eine sauberere Welt zu schaffen».
Nun denn, Tore auf, raus mit dem Baby, lasst es fliegen!

Solar Luftschiffe

Die Uni Erlangen hat diese Tage die optimalen Luftschiff-Routen über den Atlantik simuliert und berechnet. Hätte man die Expertise der Zeppeliner von anno dazumal, wäre man wohl einfacher zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Zwei bis drei Tage über den Atlantik unterwegs, von West nach Ost schneller als in Gegenrichtung. Das war schon in den 1920/30er Jahren nicht viel anders.

br.de Uni Erlangen

Die neuen vollstarren Luftschiffe, die momentan mit Heliumfüllung (natürlich nicht Wasserstoff) geplant werden, sollen emissionsarm sein. Solarbetrieben durch Dünnschichtsolarzellen, wobei Hochleistungsbatterien Energie für die Nacht puffern.
Entweder wird die für heutige Verhältnisse ausgedehnte Flugzeit nur für Frachtgut akzeptiert werden, oder Flugzeugtickets werden zum Luxusgut. Dann liefe es umgekehrt als damals, als nur die Reichen sich einen Zeppelinflug leisten konnten.