Archiv der Kategorie: Luftschiff

WOLKEN-TRÄUME – Die Lazzarini Luft-Yacht

Auf »Boat International« war letzte Woche ein aufsehenerregender Entwurf von Pierpaolo Lazzarini zu sehen. Der italienische Designer begeistert immer wieder mit technischen Visionen und futuristischen Konzepten. Diesmal ist es eine großartig Luftjacht, mit der man über den Himmel cruisen könnte.

boat international lazzarini air yacht

Der faszinierende Entwurf eines Trimarans der Lüfte ist 150 Meter lang und 80 Meter breit. Außen befinden sich die beiden mit Helium gefüllten Tragkörper mit 20 Metern Durchmesser, die an klassische Luftschiffe erinnern. In der Mitte halten sich die Passagiere auf, wozu sechs Suiten mit Badezimmern sowie ein großer Wohnbereich zur Verfügung stehen.

Das an Verbindungsstegen aufgehängte Mitteldeck ist 10 Meter breit. Die Hauptkabine bietet einen spektakulären Rundum-Blick. Die Jacht der Lüfte soll jedoch nicht nur einschweben und auf Gras landen. Auch wassern ist möglich, um mal eben baden zu gehen. Anschließend kann die Luftjacht mit ihren vier gegenläufigen Propellern, die solarbetrieben je 950 PS liefern, über die Wellen rauschen.

Lazzarini - Air Yacht

Zur Sicherheit wird das Traggas in wie Bienenwaben angeordnete Zellen gefüllt. Die Strukturen und die Verbindungsstege sollen aus Kohlefaser gebaut werden. Grundlage ist unverkennbar Luftschifftechnik, doch wer kann sagen, inwieweit dieser innovative Entwurf einer fliegenden Jacht wirklich praxistauglich wäre?
Neben zahllosen Bildern gibt es auch ein kurzes Video.

Die Himmelsjacht wird kein alltäglicher Anblick und ist bei einem Preis von geschätzt 550 Millionen Euro nicht für Pauschaltouristen gedacht. Es zielt eher in Richtung der Superreichen, die Privatjet fliegen und ihre vor Monaco geankerten Schiffe mit dem Hubschrauber aufsuchen. Hier geht es, wie bei Hypercars, um Statussymbole mit Stil, die man sich eben leisten kann. Hoffentlich findet sich jemand, der diese Form des Traumschiffes zum Schweben bringt.

Zeppelin-Erinnerungen

Dieses Jahr in Zeitungen gefunden: Fotos die an die Zeit der Zeppeline vor 90 bis 115 Jahren erinnern. Damals (wie heute) große Ereignisse, die von den Menschen auf Fotos festgehalten wurden.

Im Beitrag »Zeppelin landet in Südthüringen« auf insuedthueringen vom Oktober gibt es zig Bilder:

insuedthueringen - Zeppelin landet in Südthüringen

Passend dazu »Luftschiffe auf Postkarten – Zeppelin grüßt aus Sonneberg« von August.

insuedthueringen - Zeppelin grüßt aus Sonneberg

Im September berichtete die Badische-Zeitung über einen Zeppelin über Freiburg 1909. Fotos darf man gucken, der Text ist kostenpflichtig.

badische-zeitung - 1909 entstanden beeindruckende Fotos von einem über Freiburg fliegenden Zeppelin

Ein Zep am Wasserspielplatz

Luftschiffe als Spielgerät gibt es vielfach. Eines etwa steht auf dem Platz vor dem Zeppelinmuseum in Friedrichshafen.

Kletterluftschiff Friedrichshafen

Im Sommer ist ein Luftschiff in einem ganzjährig nutzbaren Spielplatz gelandet. Hier soll der Kreislauf des Wassers unter dem Motto »Luft – Land – Meer« für Kinder erfahrbar sein. Da gibt es einen Flusslauf, dessen Wasser sich stauen oder umleiten lässt. Eine Sandfläche lädt zum Matschen ein. Auf Surfbrettern können Kinder ihren Gleichgewichtssinn testen und vieles mehr.

Z wie Zeppelin

Mitten auf dem Platz steht ein Spielgerät, das einem Luftschiff nachgestaltet wurde. Hier kann man klettern, einsteigen oder in einem »Pilotensitz« Platz nehmen. Das Z auf der Heckflosse sagt alles. Z wie Zorro … quatsch. Zeppelin, natürlich.
Umringt ist das Luftschiff von besteigbaren Wolken mit Sprühdüsen, die einen feinen Nebel erzeugen.

Freiraumplus.de - Wasserspielplatz Garath Düsseldorf

Düsseldorf hat diesen Wasserspielplatz im August 2021 in der Peter-Behrens-Straße 154 eröffnet. Überall sprüht Wasser, doch der Verbrauch ist gebremst. Schließlich wurde hier auf Nachhaltigkeit Wert gelegt. Umgegraben wurde möglichst wenig, ebenso wenig verdichtet, so dass Regen versickern kann.
Mehr Spaß könnten die Kleinen nur haben, wenn das Luftschiff mit Helium gefüllt wäre und tatsächlich knapp über dem Sand schweben würde.

Das Zeppelin-Musical

Nach zwei pandemiebedingt verschobenen Premieren hebt das Zeppelin Musical nun am 16. Oktober 2021 im Festspielhaus Neuschwanstein ab. Das Buch stammt von Hans Dieter Schreeb und die Musik von Ralph Siegel.

Musical Festspielhaus
Thema des Zweiakters ist zum einen die Geschichte um Graf Zeppelin (+1917) und seine Vision, zum anderen das Luftschiff HINDENBURG (1936/37), mit dessen Absturz der große Traum erst einmal begraben wurde.

Musical BR

Die Beckmesser sind (wie beim Streit »fliegen und fahren«) schon gewetzt, seit die Titel der Nummern bekannt sind, denn darin heißt es: »Die Hindenburg«. Für ein Schiff durchaus ein zutreffendes »die«. Bei einem Luftschiff wäre eher ein »das« angebracht, aber das verwendet keiner. Beim Zeppelin hatte sich einst »der« eingebürgert und man sagte »Der Hindenburg«. – Beruhigt euch: Es ist ein Stück von heute für Leute von heute, nicht von damals.

Musical Eventim

Auf der großen Drehbühne des Festspielhauses laufen auch Musicals wie »Ludwig²« oder »Die Päpstin«. Mal sehen, wie lange der Zeppelin fährt.

Denkt man an Luftschiff, denkt man an …

Denkt man an Luftschiff, denkt man an … Goodyear? Scherz! Natürlich ZEPPELIN. Goodyear hat auch eine lange Historie in dem Geschäft und wirbt seit 2020 wieder auf einem Zeppelin NT.

Goodyear Zeppelin

Zwar legte Zeppelin einst eine 50jährige Pause im Luftschiffbau ein, aber seit den 1990ern baute man dort eine Menge Expertise auf und ist im Bereich der Nicht-Prall-Luftschiffe der Platzhirsch. Ganz ähnlich wie bald hundert Jahre zuvor mit den Starr-Luftschiffen.

Zeppelin NT - Visionen leben

Für wie starr der Zeppelin NT denn nun gelten kann, ist zunächst mal nebensächlich. Seine Konkurrenten mögen zahlreich sein, aber im Jahr 2022 feiert der NT schon 25. Geburtstag und er fliegt und fliegt und fliegt. Davon träumen die anderen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Luft landen, bislang nur.

Den Zeppelin NT mit seinen Vorfahren zu vergleichen wäre unsinnig. Die Alten waren dreimal so lang, transportierten sechsmal mehr Passagiere, fassten zwanzigmal so viel Traggas und so weiter, und so weiter.
Die Technik hat sich seit damals enorm entwickelt und das Handling deutlich vereinfacht. Das Einsatzgebiet ist freilich drastisch kleiner und so wurde das Schiff für Kurzzeit-Trips optimiert. Mit mehrtägigen Interkontinentalflügen alter Zeiten, kann man heute (noch) nicht mit schnellen Flugzeugen konkurrieren.

Zeppelin NT Flyer

Seit dem Erstflug im September 1997 fliegt der NT mit (nicht brennbarem) Helium. Dadurch bekommt der Zeppelin zwar Auftrieb, jedoch nicht genug, um abzuheben. Das Gas wird in die riesige, starre Hüllenkonstruktion gepumpt. An dieser hängen mittschiffs und am Heck, aerodynamisch günstig, die Motoren. Schwenkpropeller sorgen für eine gute Manövrierfähigkeit und der NT schafft die für diesen Typ Luftschiff übliche Geschwindigkeit von 125 km/h.

Zeppelin NT GoodyearDer Luftschiffkörper ist wegen des Heliums nicht begehbar, die kleine Steuer- und Fahrgastkabine für 12 bis 14 Passagiere hängt einfach unten dran. Der NT braucht nur wenige Leute zum starten und landen und kann, so der Kunde es wünscht, von Sichtflug auf Instrumentenflug umgebaut werden. Wenn ein Luftschiff beweisen kann, dass es eine gute Alternative zu den Kerosinschleudern ist, dann wohl dieses. Aber wie auch immer: Bitte bald.

Umweltfreundliche LuftschiffE als Klimaretter?

Rundflüge für Schaulustige. Schwebende Plakatwand. Forschungsaufträge. Überwachung. Was Luftschiffe heute nicht alles machen! Mal in die Luft gehen ist schön aber kein günstiges Vergnügen. Und der Rest der Tätigkeiten reicht nicht für eine Serien-Fertigung. Gibt es Gründe, daran zu glauben, dass Leichter-als-Luft den Durchbruch schafft, weil andere Verkehrsmittel längst zu umweltschädlich sind und dadurch womöglich bald teurer?

Lockhead Martin Hybrid Airship
(Lockheed Martin, Hybrid Airship)

Als Lastentransporter über weite Strecken könnten Luftschiffe sehr wohl konkurrenzfähig sein. Prinzipiell spräche nichts gegen eine Abholung von Containern direkt beim Produzenten und Ablieferung beim Empfänger. Dafür müsste man nicht einmal landen. Anstatt langsamer Containerfrachter samt Transport zum und vom Hafen per Straße oder Schiene wäre das System vergleichsweise sehr effizient. Weniger Verkehr, weniger Lärm und weniger Emissionen.

Beim Luftschiff wird nicht beständig Diesel durch Motor und Schornstein gejagt, um vorwärtszukommen.
Stattdessen könnte ein solarbetriebener Elektromotor genügen. Noch weiter ginge die Idee, vollautonome Schiffe in den Jetstream hinauf zu bringen und sie allein vom Wind über die Kontinente schieben zu lassen. Dazu wird keine große bauliche Infrastruktur wie Start- oder Landebahnen benötigt, so dass Start- und Zielort nicht an bestehende Netze angebunden werden müssten. Natürlich eignen sich auch Wasser oder eine Eisfläche zum Be- oder Entladen, wenngleich das wohl eher nicht der Normalbetrieb sein dürfte.

Buoyant Aircraft Systems International
(Buoyant Aircraft Systems International)

Da wären noch einige Spezifika von Luftschiffen. Zum einen sorgen die Motoren praktisch nur für den Vortrieb. Um in der Luft zu bleiben, wird ein Traggas benötigt, also Helium oder Wasserstoff. Letzteres ist tragfähiger, billiger und leichter herstellbar und steht an Tankstellen bereits Autos zur Verfügung. In Gasballonen verwendet man es ebenfalls gerne. Mit Zusätzen, die Wasserstoff schwerer entflammbar machen und mit modernen Materialien lässt es sich mittlerweile wieder gut verwenden. Für ein Luftschiff braucht man eine gasdichte, reißfeste Hülle, die wasserdicht und UV-beständig ist. Die Umweltfreundlichkeit entscheidet sich darüber, dass möglichst wenig Gas verloren geht.

Atlas LTA
(Atlas LTA)

Eine Fernsteuerung für Frachtflüge ist das eine, so etwas wäre ähnlich wie bei Kränen also vom Boden aus möglich. Für den Liniendienst im Passagierbetrieb ist das vielleicht eins zu weit gedacht und überhaupt sind noch einige Verbesserungen notwendig. Start und Landung von Hubschraubern und Kleinflugzeugen ist praktisch ohne weiteres Personal möglich. Dahin müssen Luftschiffe kommen! Ein Zeppelin NT braucht keineswegs mehr die Hundertschaft am Boden, die ihn zur Erde zieht, wie die Schiffe in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Denkt man an Flugtaxis oder Paket-Drohnen, dann sind im Bereich Steuerung schon große Fortschritte gemacht. Je einfacher die Bedienung, umso wahrscheinlicher der Einsatz. Ein Luftschiff-Flugtaxi das einen Menschen, wie einst den Erfinder Santos-Dumont, durch die Straßen der Stadt schweben lässt, das hätte was.

Dass das Luftschiff allein das Klima rettet, ist natürlich unmöglich, aber es könnte einen ordentlichen Anteil in Fracht- und Reise-Verkehr leisten.