Der Zeit voraus

Im Allgemeinen sind meine öffentlichen Auftritte vor Zuhörern hier vermerkt – hinterher.
Wie mir aus verlässlicher Quelle zugetragen wurde, bringt es wenig, im Nachhinein zu erfahren, wo man hätte zuhören können.
Da ich ungern über ungelegte Eier gackere, wird sich das nur im Ausnahmefall ändern 🙂

Und da sind wir schon bei der Ankündigung – so schnell geht das:
Live bei RADIO LORA 92.4 (UKW, DAB+, Kabel) am Freitag, 24. Februar 2017. Beim poesie[magazin] darf ich zwischen 20 und 21 Uhr ein paar Minuten zum Programm beitragen.

Kann gut sein, dass ich in diesem Fall umgekehrt von einer Nachberichterstattung des Ereignisses absehe.
Ausnahmsweise, damit wirklich alles anders ist.
Jetzt bitte vorfreuen und viel Spaß beim Zuhören 😉

RADIO LORA auf UKW 92,4 / DAB+ Kanal 11C / im Münchner Kabelnetz 96,75. Das poesie[magazin] ist eine Radiosendung zweier Münchner Literaturportale am 4. Freitag im Monat.

Wenns es dem Autor zu bunt wird …

Der Herbst war wieder die stressigste Schreibers-Zeit des Jahres, obwohl sich nur wenig schreiben ließ. Viel Herzblut, Zeit und Schweiß floss in Lesung, Vortrag und Manuskriptanbieten. Ein Teil davon ist ganz spaßig – der andere Teil nervig. Bitte raten was gemeint ist …

Es war natürlich kein Stress, zwischendrin ein Gedicht zusammenzuzimmern und beim Poetry Slam vorzutragen. Noch dazu eines, dass den Zuhörern besser gefiel als der Jury (okay, billigste Ausrede für Nicht-gewinnen ;-). Jedenfalls hat auch mir das Ganze Spaß gemacht und was will man mehr?

Es schadet nicht, eingefahrene Gleise zu verlassen, Weichen umzustellen. Musste ich also unbedingt zwischendrin noch eine andere Autorengruppe besuchen? Ja, klar, braucht das Energie. Um so schöner, wenn was zurückkommt.

Dieses Jahr hat damit noch ein paar amüsante Tupfen bekommen, auf das am Ende mehr Freude als Frust im Topf ist. Und die Karte für nächstes Jahr hat ein paar interessante Stationen dazu gewonnen. Fast wie ein Eichhörnchen, dass schon mal einen Vorrat anlegt, um sich ein kleines Glück zu sichern. Ommmm … 😉

Vorgetragen

Der diesjährige Phantasten-Vortrag fand zum Thema »50 Jahre Raumpatrouille« statt – schließlich wurde das Raumschiff ORION gerade im Windschatten der Enterprise gefeiert.
Der Vortrag wurde ein netter Abend mit einem Dutzend Zuschauern, sowohl solcher, die die Serie nicht kannten bis hin zu Fans. Und was nehme ich für mich dieses Jahr mit?

raumpatrouille-zum-50sten

(17.9.2016 – Raumpatrouille-Feier im Bundesplatzkino, Berlin)

Vor allem muss ich mich daran gewöhnen, trotz Stichwortzettel jedesmal etwas zu vergessen, das hätte gesagt sein wollen. Auch wollen die Medien den Räumlichkeiten angemessen sein. Bücher und Laptop kamen im langgezogenen Raum an die Grenzen – mit noch mehr Leuten wärs schwierig geworden.

Inhaltlich zeigt sich, das die Linie, nicht nur an der Oberfläche zu schwimmen, sondern auch mal tiefer zu tauchen, sich bewährt. Details machen eine Menge aus, vor allem wenn Neulinge und Kenner zuhören. So hat jeder was davon.

Wenn hinterher zum Vortrag gratuliert wird, ist das schon gut. Aber Kommentare wie »Erstaunlich, ich hatte nicht gewusst, dass …« oder »Ich kenne das so lange, habe aber nie bemerkt, dass …« zeigen, es hat sich gelohnt. Für mich und die Leute. Bis nächstes Jahr!

50 Jahre Abenteuer

briefmarkeAls die TV-Serie »Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion« 1966 das erste Mal im Fernsehen ausgestrahlt wurde, war ich nicht dabei. Tatsächlich sah ich die Show erst, als sie schon als angestaubt galt, da Hollywood die Sternenkrieger auf die Leinwand losließ. Die Orion und ihre Crew erweisen sich aber als zäher und langlebiger als ihre Macher geglaubt hatten, so dass zum 50sten sogar die Post eine Briefmarke rausgibt.

Die Serie war nicht gerade perfekt und ihre Technik ist heute schwer vermittelbar – wer sich aber darauf einlassen kann, wird mit guter Unterhaltung belohnt. Dramaturgisch mag nicht jede Episode auf Anschlag getrimmt sein, bietet aber größtenteils solide Spannung, wo die Schreiber sich an klassischen Krimi- oder Spionage-Plots orientierten. Besonders der Einstieg, Folge 1, ist überaus gelungen, vor allem im Hinblick darauf, dem Zuschauer die gar nicht so strahlenden Helden und ein ganzes Universum nahezubringen.

Was die Show ausmacht, sind vor allem die Charaktere, angefangen bei Commander Cliff McLane, seiner Aufpasserin Tamara Jagellovsk oder Sonnyboy Mario de Monti. Dazu kommen zahllose unverwechselbare Elemente – und damit meine ich kein Bügeleisen – wie etwa die Tänze oder der Strudel-Start. In Schriftform lassen sich Optik und Sound aber kaum übertragen und doch gab es nach dem TV-Erfolg eine gar nicht so unerfolgreiche literarische Umsetzung der 7 Episoden.

Immerhin waren die 7 Romane der Auftakt zu einer 145teiligen Heftromanserie. Was genau den Lesern damals gefallen hat, erschließt sich mir allerdings nicht. Wo ich auf der Mattscheibe genau sagen kann, was mir gefällt, finde ich davon wenig in deren Papier-Adaption. Der Autor hat die etwas eigene Astrophysik der TV-Serie ordentlich konsolidiert, aber ansonsten wenig von deren Geist übernommen.

Da wurde so einiges »umgeschrieben« und vor allem eingefügt was nie wirklich zu passen scheint. Oder dieser an einigen Stellen penetrant machohafte Tonfall des Autors, der einen den Kopf schütteln lässt. Humorvoll ist das ganze kaum, die Pointen aus den Drehbüchern werden praktisch sämtlich versenkt. Es ist wie so oft: Buch und Film können sich drastisch unterscheiden.

Wie auch immer: Die Orion-Leute haben immer gerne angestoßen. Trinken wir einen mit, auf die nächsten Fünfzig Jahre!

Kein Herbst hier

Kein Herbst hierWir sind schon über der Mitte des Jahres. Im Biergarten stehen endlich wieder Stühle statt der EM-Bierbänke. Die erste Werbung prophezeit einen tollen Herbst. Und was da nicht alles auf uns zu kommt! Ach? Ihr könnt mich kreuzweis! Jetzt ist erst mal Sommer. Der August ist heiß! Das zählt.

Gelegentlich steht eine Lesung an, so wie am »Haderner Stern«, 15. Juli. Ansonsten ist es staad. Alle Texte für Veröffentlichungen sind geschrieben, eingereicht und abgenommen. Die Publikation erfolgt irgendwann im Herbst. Bis dahin hab ich meine Ruhe. Das ist das Angenehme, wenn man vom Geschriebenen nicht Leben muss.

Okay, ein paar Projekte gehen mir schon durch den Kopf. Ob man im Biergarten sitzt oder auf dem Balkon. So ein Schreiber hat ja nie wirklich Ruhe vor seinen Gedanken. Egal, ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter. Dauernd will etwas geschrieben sein. Und wenn es nur eine Handvoll Blogtext ist.

Habe gehört, Liam Gallagher von »Oasis« meint, die wahre Kunst erschaffe ein Songwriter in seinen zwanziger Jahren: Frust und Träume und Kraft. Hat er recht? Ob das auch für Autoren gilt? Weiß nicht. Frust und Träume hab ich – wie wohl viele im Alter – noch genug übrig. Aber Kraft? Frusten wir uns lieber im Herbst … nicht wenn Sonne und Wärme sind.

Hör mal rein!

Alle meine Avatare - 2015Seit einem Jahr ist »Alle meine Avatare« als Buch und eBook erhältlich. Seit kurzem sind die ersten Seiten des zweiten Kapitels zum Reinhören erhältlich, gelesen vom Autor selbst.

Im Zweiten Kapitel trifft Protagonist Hannes auf zwei junge Frauen und quatscht sie an. Allerdings beißt er auf Granit. Um die Dinge komplizierter zu machen, mischen sich auch seine Spiele-Charaktere Xara und Jeffrey mit ein. Es geht um Piraten und Schiffsladungen voll Rum!

Neben der Lesung gibt es noch ein kleines Interview zur Entstehung des Romans. Aufgezeichnet, bearbeitet und hochgeladen wurde das 21-minütige Stück von Caroline Miklosi. Herzlichen Dank dafür!

Dass der Roman mehrere Jahre bis zur Fertigstellung brauchte, kann man daran ersehen, dass er schon im Herbst 2009 Teil eines Vortrages wurde. Daraus wurde das Essay »Gekaperte Identitäten«, dass im Buch »Keine Lust auf Untergang« (Verlag Langen Müller, 2010) enthalten ist, wovon in der Aufzeichnung die Rede ist.

Viel Vergnügen!

Das verflixte erste Kapitel

Das verflixte erste KapitelDas erste Kapitel eines Romanes, wie ALLE MEINE AVATARE ist die Eingangstür zu einer phantastischen Reise. Da muss der Leser durch, bevor er auf dem Dancefloor abrocken kann. Findet der Leser aber keinen Zugang fällt die Party aus.

Bei ALLE MEINE AVATARE habe ich mehrere Versionen des Anfangs geschrieben. Ihn mit anderen Autoren diskutiert. Und mit einem Lektor durchgegangen. Leider scheint der Anfang dennoch eine heftige Hürde zu sein, die manchen Leser straucheln lässt.

Klar kann man es nicht jedem recht machen und ALLE MEINE AVATARE verlangt vom Leser auch noch, dass er sich einen Reim auf das macht, was da vorgeht. Der Roman liefert keine Erklärung mit, schließlich geht es nicht darum, dass die Protagonisten sich selbst analysieren. Leser haben mir verschiedene Erklärungen angeboten, und ich halte sie alle für okay, solange es hilft sich zurechtzufinden.

Diejenigen, die durchgekommen sind, erklären oft, dass ihnen der Einstieg in ALLE MEINE AVATARE schwerfiel. Als sie sich das Ganze dann erschlossen hatten, war es aber ganz leicht. Das soll natürlich nicht heißen, die Story wäre abgesehen davon perfekt.

Fazit: Nächstes Mal noch mehr Mühe in den Einstieg stecken, d.h. noch mehr Arbeit für die Testleser! Den Einstieg breit wie ein Scheunentor gestalten. Sound und Schnittchen einarbeiten, um den Leser reinzuziehen. Und mittendrin ein Autor, der jedem Leser die Daumen drückt. Auch allen, die ALLE MEINE AVATARE noch versuchen wollen 😉

Und wer noch einen Tipp für ALLE MEINE AVATARE braucht: Einige Figuren existieren nur im Kopf des Protagonisten. Sie liefern sich einen »Inneren Dialog« mit ihm, repräsentieren Logik und Gefühle. Außerdem wäre da noch die Darstellung der Gedanken beim Programmieren einer Software in Form einer kurzen Schiffsreise. Genug gespoilert. Lesen!

Der literarische Konflikt

Jeder rät dir, möglichst viele Konflikte in deine Geschichte oder deinen Roman zu packen. Dabei scheint es Allgemeingut zu sein, wie man so einen Konflikt richtig aufzieht. Der Hauptkonflikt kann aber mit verschiedenen Maßnahmen enger und enger geschlungen werden.

Der literarische KonfliktErstens: Das Zurückweisen einer Erwartung führt zum Widerspruch.
Die erste Konfliktpartei macht klar, was sie erwartet. Die zweite Partei lehnt das ab, damit wir einen Gegensatz haben. Wenn die erste Partei nun widerspricht können die beiden streiten.
Siehe »Krieg der Sterne« – praktisch egal, welche Episode: Das böse Imperium erwartet Unterwerfung. Die Rebellen lehnen das ab. Das Imperium ergreift Maßnahmen – logisch, sonst krachts ja nicht.

Zweitens: Der Konflikt wird den Parteien von außen aufgezwungen.
Die Rebellen bei Krieg der Sterne handeln aus reinem Edelmut für das Gute, das wir gerne siegen sehen wollen. Zwänge jemand von außen sie in den Konflikt, wäre das stärker.
Siehe »Der alte Mann und das Meer«: Die Gesellschaft, Freunde und Bekannte, schieben den alten Mann auf das Abstellgleis. Sie glauben nicht, dass er fähig ist, überhaupt noch einen Fisch zu fangen. Den Konflikt liefert er sich mit sich selbst und seinen Kräften auf der einen Seite und dem Fisch, der es (natürlich) ablehnt, sich fangen zu lassen auf der anderen Seite.

Drittens: Die Partei kann dem Konflikt nicht aus dem Wege gehen und gerät in ein Dilemma – noch besser: beide Parteien!
Könnte der alte Mann fortgehen und etwas anderes machen? Wohl weniger: Aber dadurch hat er auch kein tiefes Dilemma.
Siehe »Einer flog übers Kuckucksnest«: Der unangepasste McMurphy landet in der Psychiatrie. Er lehnt es ab sich anzupassen, worauf die fiese Oberschwester ihm das Leben sauer macht, um ihn loszuwerden. Gehen kann er nicht, da er an eine gerichtliche Anordnung (Konflikt von außen) gebunden ist. Damit hat er ein großes Dilemma: bleiben und durchziehen oder fliehen und mehr Ärger, als er jemals haben wollte.

Nicht immer kann man alle Elemente bedienen, doch der sog. »Mainstream« macht vor, dass das auch nicht immer sein muss. Aber wenn man beim Planen schon mal weiß, wonach man Ausschau halten muss, klappt es vielleicht auch mit einem deftigen Konflikt.

Mehrteiler

mehrteilerDer typische Rat für Schriftsteller: Geh in Serie! Nicht ein singuläres Buch schreiben, sondern mit Fortsetzungen arbeiten. Zumindest, wenn man eine gewisse Zielgruppe hat. Wer ein Buch kauft und es gut findet, kauft gerne wieder vom selben Autor. Allerdings braucht man auch die Zeit zum Romaneschreiben, sonst wird es schwierig 😉

Auch der Mensch, der hier schreibt, muss sich seine Zeit einteilen. Da ist ein Anteil Privatleben und ein Teil Berufsleben, Letzteres finanziert Ersteres 🙂
Und daneben gibt es noch den schreibenden Teil. Aber sogar der ist geteilt: Der Prosaschreiber, zu dem auch dieser Blog gehört, und anderseits der Sachtextautor.

Mitleser wissen, dass der Prosaautor zuletzt wenig zu melden hatte. Klar, bis Mitte des Jahres gilt es einige Anthologie-Texte vorzulegen, aber zur Not müssen ältere Stücke dafür aufpoliert werden.
Bis Ende April gilt es einen neuen Romananfang für einen Autorentreff zu fabrizieren. Terminlich schwierig, aber so leicht lässt sich ein ganzer Autorentreff nicht umorganisieren. Um aus der Bredouille zu kommen, kann ich natürlich auch hierfür ältere Texte aus der Schublade ziehen, aber für so eine Gelegenheit soll es schon was Besonderes sein.

Am Ende muss sich die Prosa jedoch gedulden, denn Sachtexte stehen auch noch an. Ein ganzes Buch harrt der Veröffentlichung, natürlich ein Herzensprojekt, nur der letzte Schliff braucht leider noch Wochen und Monate. Da kommt es gelegen, wenn ausgerechnet heute ein Verlag anfragt, ob man nicht binnen zweier Monate einen Beitrag für seinen Sammelband liefern könnte. Da sagt man doch nicht nein, oder?
Kommt alles auf die richtige Einteilung an. Also: Teile und Schreibe.

Keiner Kennt Einen

Diesmal gibt es die Erstfassung einer Kurzgeschichte. Sie ist weder besonders gelungen noch besonders typisch oder sonst was. Sie ist einfach heute binnen einer Stunde als Schreibübung entstanden. Bearbeitung und / oder Anmerkungen folgen eventuell später mal. Habe momentan einfach zu viel Anderes um die Ohren.

Keiner Kennt Einen

Die meisten waren schon heim, aber an dem einen Tisch war es heute einfach zu schön, um aufzustehen. Noch war Bier da und es fühlte sich zu gemütlich an, so dass keiner gehen wollte. Hinterher wusste keiner, wie sie auf das Thema »Organisierte Kriminalität« gekommen waren oder wie sie es weitergesponnen hatten. Und dann sprach ausgerechnet der Rudi, der sonst immer so still war.
»Was heißt, verdammt noch mal, es gibt keinen, der gegen die auspacken möchte?«, entgegnete Rudi auf irgendeinen dummen Spruch von Hans. »Da lebt keiner lange, wenn er das ausposaunt! Schau mich an!«
Erika hob ihren Maßkrug. »Du schaust aber recht lebendig aus.«
»Als Rudi Sommer vielleicht«, sagte der. »Aber Rudolf Hintermeier ist tot.«
»Wer ist das denn?«, fragte Alexander.
»Na ich!«, sagte Rudi. »Als Bilanzbuchhalter vor acht Jahren. Die haben Geld gewaschen, über das Unternehmen.«
»Wer die?«, fragte Hans. »Gehörst du zu so einer Bande?«
»Quatsch! Aber ich bin ihnen drauf gekommen. Da wollten sie mich kaufen.«
»Und was hast du gemacht?«, fragte Erika.
»Wie bist du da rausgekommen?«, fragte Alexander.
»Was heißt rausgekommen?«, fragte Rudi. »Ich sage doch, der Hintermeier ist tot. Oder was glaubt ihr?«
»Kaufen lassen. So einfach hätte ich mein Haus auch gerne abbezahlt«, sagte Hans.
»Ihr habt keine Ahnung«, sagte Rudi. »Natürlich bin ich zur Polizei. Es ging vor Gericht und die haben tatsächlich einige verknackt.«
»Au, mann«, sagte Erika. »Das ist mutig.«
»Also …«, sagte Alexander und nickte heftig. »Ich trink auf dich.« Alle hoben die Krüge. »Heldenhaft … Aber die lassen dich doch nicht einfach davonkommen, oder?«
»Wenn du gegen sie bist, bist zu tot, so oder so. Also wurde ich Rudi Sommer.«
»Du hättest doch auch das Geld nehmen können«, sagte Hans.
»Blödsinn«, sagte Erika. »Da hat einer den Mut gegen die … Du denkst nur ans Geld!«
»Ein paar Jahre bestechen lassen, hätte ja gereicht«, murmelte Hans.
»Die lassen dich nicht nach ein paar Jahren raus«, sagte Alexander. »Eine heftige Entscheidung …«
»Heftig«, wiederholte Rudi. »Alles haben wir aufgeben müssen. Das Haus. Die Familie. Freunde. Du kannst nicht zurück, sonst finden sie dich. Du bist kein Held, sondern ein übervorsichtiges Nervenbündel. Hinter jedem Busch … bei jedem Geräusch …«
»Hat … hat deine Frau deswegen …«, fragte Erika. »Ich meine …«
Es war einen Moment still am Tisch.
»Sie hat es nicht mehr ausgehalten über die Jahre«, sagte Rudi. »Ihre Depressionen wurden immer schlimmer.«
»Oh, mann«, sagte Alexander. »Tut mir leid.«
»Ich trage immer eine Waffe bei mir«, sagte Rudi und legte eine Kleinkaliberpistole auf den Tisch. Er wandte sich an Hans: »Was meinst du, wieso keiner bekannt ist, der gegen die aussagt? – Lebend kriegen die mich nicht.«
Der Abend endete irgendwann. Die Runde wurde nie zu einem Heldenstammtisch, denn Rudi verschwand. Unbekannt verzogen.