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Der Ausstieg der Skywalkers – Endlich?

Mit Reittieren über einen Sternenzerstörer galoppieren und mit Pfeil und Bogen Tie-Fighter abschießen. Ist Episode IX nicht megaeinfallsreich? Oder zeigt es genau das Fantasy-Problem, das Star Wars hat?
Wie üblich bin ich mit meinen Gedanken zum Film erst Jahre nach dem Kinostart dran.

Seitdem George Lucas anfing, neue Filme zu machen, ging mir stets die Frage durch den Kopf: Wieso haben mir die alten drei Filme gefallen, aber keiner aus den neuen Trilogien? Die Frage setzte sich über Lucas zweite Trilogie fort in die Abschluss-Trilogie. Die Suche hat mittlerweile ein Ende gefunden und Episode IX bekräftigt die Theorie.

Was die Filme zwischen 1976 und 1983 für mich ausmachte, war der Science Fiction Faktor. Ja, da waren Licht-Schwerter aber eben nur ein klein wenig Zauberei:

  • Obi Wan hat uns mit geistiger Beeinflussung überrascht
  • Darth Vader drückte manche Kehle zu oder ließ einige Gegenstände schweben
  • Der fiese Imperator schoss Blitze aus den Fingern ab

Gerade Letzteres war tatsächlich schon etwas »drüber«, aber man ließ es durchgehen. Da waren eben ein paar PSI-Kräfte. Über die konnte man als SF-Fan wegsehen.
Wichtiger waren die »normalen Menschen«, die eben nicht zaubern konnten, sondern wie du und ich da durchgehen.

Star Wars - Der Aufstieg SkywalkersAber die neuen Filme haben doch auch alles, was die alten hatten, oder?
Fremde Welten und Lebensformen, die Darstellung einer fernen Zukunft und der Technik dazu Droiden und Wookies.
Neuerdings gibt es sogar wieder Nicht-nervende-klugscheissende Normal-Charaktere. Wo ist also mein Problem?

Es ist ganz einfach: Die neuen Filme ab Ende der 1990er kümmern sich viel zu sehr um die Überflieger, die praktisch alles können: Die Jedis oder Siths. Deren Darstellung und ihre Zauberkräfte überlagert praktisch alles.
Von Kapitel zu Kapitel wird ihnen immer mehr möglich gemacht, bis sie in Episode IX sogar Tote wiederbeleben. Wenn die Zauberer eine Story derart übernehmen, dann ist Star Wars nicht mehr SF, sondern eine Fantasystory mit Raumschiffen.

Ja, und? Ist Fantasy schlimm? Aber nein!
Nur ein kleiner Einwand: Wer Fantasy-Welten ernst nimmt, achtet darauf, dem »Magischen System« nicht alles zu erlauben, wie es bei Star Wars eben gerade leider der Fall ist.
Der Imperator kann am Ende alle Raumschiffe am Himmel mit Energieblitzen lahmlegen. Anstatt aber seine Gegner zu erledigen, blitzdingst er sich schließlich selbst. Na, ja …

Der Punkt ist: Den Magiern darf in einer Geschichte niemals alles einfach so ohne Gegenwert möglich sein! Heißt: Jede Anwendung von Magie muss etwas kosten!
Kosten? Nein, kein Geld. In entsprechender (Fantasy-)Literatur gibts hunderte Beispiele (manche davon sogar ausgesprochen witzig).
Mal sehen, was könnte es einem Zauberer kosten, seine Hexenkunst einzusetzen:

  • Wie wär es mit Magiepunkten? Okay, das wäre zu sehr Rollenspiel.
  • Lebenszeit abziehen? Für diese Filme nicht dramatisch genug.
  • Körpererscheinungen wie Schrumpfen. Ein Mini-Palpatine. Das hätte doch was …

Okay, über die Frage müsste man mal länger nachdenken. Aber nach so einem Prinzip eben.
Bei Star Wars kostet der Budenzauber den die Magier so abziehen, jedoch regelmäßig niemanden nichts. Es ist einfach alles beliebig, gerade so, wie das Drehbuch es braucht.

Wer nur meckern kann, braucht ja nicht hinzusehen? Stimmt.
Der Aufstieg Skywalkers ist tricktechnisch prima. Die Story hat Tempo und kaschiert damit ganz gut so manche Lücke. Und ich fange nicht an, mich über den ganzen anderen Blödsinn des Drehbuches auszulassen (auch wenn ich noch einige echt nervige Punkte ansprechen könnte).

Nur eines noch: So viele Motive der Ur-Trilogie zu recyclen? Da schaue ich lieber die alten Filme an. Die Neuen guckt man doch, weil man gerne mal was Neues gesehen hätte.
Ja, klar, die alten Filme erzählten keine komplizierten Geschichten und haben die halbe Filmgeschichte zitiert (waren aber dennoch origineller).

Nicht nur die Lichtschwerter werden am Ende des Films eingebuddelt, nein, die Skywalkers gleich mit. Wenn die Zauberer von der Bildfläche verschwinden, gibts vielleicht wieder ein ernstzunehmendes SF Filmchen aus diesem Universum für mich?
Muss es ja nicht. Vermutlich ist Star Wars für mich verloren. Gibt genug andere Filme.

Erfolgscomic Tim und Struppi – Für Einsteiger

Am 26. April 2022 widmete sich die Reihe RADIOWISSEN auf Bayern 2 der großen Comic Literatur: »Tim und Struppi – Der Erfolgscomic aus Belgien«.
Erzählt wird die Geschichte der Serie Tim und Struppi von Anne Kleinknecht in ca 22 Minuten. Podcast / Zum reinhören.
»Das Phänomen Tim und Struppi ist universell«, sagt ein belgischer Comichändler, der die Bücher in alle Welt versandt hat. Es gibt viele solcher Interview-Schnipsel auch von Hergé, seinem Biographen Benoit Peeters und anderen.

ARD Audiothek
RadioWissen auf ARD Audiothek

Wer schrieb, wer zeichnete Tim und Struppi? Hergé (alias George Remi).
Sind Tim und Struppi französich oder belgisch? Belgisch.
Welche Nationalität haben Tim und Struppi? Belgisch … aber eigentlich Weltbürger!

SAMMLERFREUDE: Tim und die Falle des Totem Dhor – 1992

Tim und die Falle des Totem Dhor - Jeux Nathan - Vorderseite

Herausgeber: »Jeux Nathan«
Art: Gesellschaftsspiel
Alter: 7 – 77 Jahre
Spielerzahl: 2 bis 4 Spieler
Erscheinungsjahr: ca. 1992
Karton-Abmessungen (BxHxT): ca. 39 x 6 x 28 cm
Anleitung: 6 Seiten DIN A5
Entwickelt von Dominique Tellier mit Grafiken von Hergé

Tim und die Falle des Totem Dhor - Jeux Nathan - Rückseite

Aus der Anleitung: Versuche bei einer Reise um die Welt, so viele Totems wie möglich zu gewinnen, aber vermeide den Zweikampf mit dem Gauner Rastapopoulos. Das Totem Dhor, das erst am Ende ins Spiel aufgenommen wird, kann die Lage noch einmal völlig verändern …
Verschiedene Personen helfen dir bei deinen Nachforschungen, oder aber dabei, die Pläne deiner Gegner zu durchkreuzen. Von den 20 Ebenholz-Totems sind 12 unecht. Das ist nur mit Hilfe des magnetischen Kästchens herauszufinden …
Ein Spiel voller Spannung und Abenteuer mit Tim und Struppi und ihren Freunden. Fordere Rastapopoulos zum Zweikampf heraus und gewinne das geheimnisvolle Totem Dhor.

Tintin et le piege du totem dhor - de LuxeEin hübsch gemachtes Spiel mit viel Material, das auf einem Spielplan die Welt von Tim und Struppi lebendig werden lässt. Auf dem Spielplan sind nicht nur Island oder Amerika, sondern auch San Theodoros, Syldavien oder Khemed zu finden. Die Totems erinnern natürlich an den »Arumbaya Fetisch« und auf den Abenteuerkarten finden sich u.a. viele alte Bekannte wie die Castafiore, Allan oder Abdallah. Außer der originalen Version samt der limitierten de-Luxe in Grün, gibt es Ausgaben in vielen Spachen. Die Preisspanne für die deutsche Edition ist groß, der Preis aber nicht sehr hoch, je nach Zustand zwischen 10 und neu(wertig) 35 Euro.

Der geheimnisvolle Stern

Der geheimnisvolle Stern - Hergé / Carlsen VerlagDie Geschichte „Der geheimnisvolle Stern“ entstand 1941/42 im von deutschen Truppen besetzten Belgien.

Insbesondere der Anfang lässt, so verschlüsselt und verzerrt er ist, den Schock des Überfalls der feindlichen Armeen im Jahr davor erahnen.

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Wer kennt nicht den Zauber klarer Nächte, die einen wunderbaren Blick auf den Sternenhimmel gewähren (Seite 1). Doch was, wenn man beim Blick auf den fernen Himmel, etwas Ungewöhnliches entdeckt. Alles scheint weit weg und man ahnt nicht, was auf einen zukommt. Doch es lässt einen nicht los.
… Man traut dem Diktator im Osten alles zu, aber …
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Der geheimnisvolle Stern - Tim und Struppi im Flieger; Kunstharz-Figur, Moulinsart 2009Der geheimnisvolle Stern - Tim und Struppi und der Riesenpilz; Kunstharz-Figur, Moulinsart 2009Die Bedrohung wird zusehends größer. Mit unvorstellbarer Geschwindigkeit eilt sie heran (Seite 2). Es heißt, es wäre das Ende der Welt (5). Aber wer kann sich das wirklich vorstellen (6)?
… Die Töne werden schärfer und allmählich schwindet die Hoffnung, noch einmal davon zu kommen …

Ein Donnerschlag! Ein zweiter! Noch immer kann es keiner glauben, versucht jeder zu begreifen (7). Alpträume statt erholsamer Schlaf (9).
… Die Entscheidung naht, die Ereignisse überschlagen sich – soll man fliehen? …
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Doch das Erwachen ist noch schlimmer! Der große Knall ist da! Entsetzlicher Lärm. Das Haus wackelt. Möbel tanzen. Scheiben gehen zu Bruch. (9)
… Der Krieg ist nun unmittelbar vor der eigenen Haustüre und Militärkolonnen rollen vorbei …

Der geheimnisvolle Stern - Tim und die Ratten; Figur Pixi, 1993Durch die Straßen überall dasselbe Bild (10). Fassungslosigkeit. Wände voller Risse, Straßenschäden, zerbrochene Dachziegel (12). Apokalyptische Bilder!
… Allmählich realisieren die Menschen, was da passiert ist, und: Man lebt. Noch. …

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Gewollt oder nicht: Autor Hergé hat hier das selbst Erlebte eingearbeitet.

Die weiteren Auswirkungen auf die Menschen, zeigt die Geschichte dann nicht, denn an diesem Punkt wendet sich alles und wird zu einer Jagd nach dem Bruchstück des geheimnisvolle Sterns.
Die bedrückende Stimmung weicht, doch ist klar: Niemand sollte das durchmachen müssen!

Erster Tim und Struppi Kinofilm

3 Figuren-Diorama (2009) - Tim trifft Haddock, Struppi im SchlepptauTim und Struppi treffen Kapitän Haddock auf der großen Leinwand. Tim war da schon beinahe 20 Jahre alt und Hergé stand mit 40 gerade am Neuanfang mit dem TINTIN Magazin. Steven Spielberg, Regisseur des Performance-Capture Films von 2011, war gerade ein Jahr alt, als der erste Tintin-Film Premiere feierte.

Le crabe aux pinces d or - DVDDer Film von dem die Rede ist heißt nicht »Das Geheimnis der Einhorn«, obwohl das Album damals schon erschienen war, sondern »Le crabe aux pinces d’or« (d.i. Die Krabbe mit den goldenen Scheren).
Er wurde im Stop-Motion-Verfahren gedreht, das heißt, er besteht aus Bild für Bild animierten Figuren. Insgesamt nett gedacht aber wenn sich während einer für die Beteiligten technisch herausfordernden Produktion auch noch finanzielle Probleme bemerkbar machen, wirds schwer.

Le crabe aux pinces d or - KinoplakatMan hat es immerhin geschafft, den Puppenfilm ordentlich zu Ende zu bringen. Nach 59 Minuten Spielzeit verabschiedet sich Struppi mit einem Knochen im Maul. Die Handlung folgt insgesamt recht getreu dem Album »Die Krabbe mit den goldenen Scheren«.

Premiere hatte der Film am 21. Dezember 1947 im Brüsseler ABC Theater, Place Saintctelette, wo er bis 11. Januar 1948 laufen sollte. So viele Aufführungen erlebte er offenbar nicht.
Die Krabbe mit den goldenen Scheren - OriginalzeichnungenDa der Produzent, Wilfried Bouchery, bankrott ging, wurden Vermögenswerte, darunter alle Filmrollen, vom Gericht beschlagnahmt. Daher ging diese Art Film nicht in Serie.

Eine erhaltene Kopie des Films liegt mittlerweile in der Cinémathèque Royale. Am 14. Mai 2008 wurde der Film auf DVD (PAL, Region 2) veröffentlicht. Erhältlich ist er nur in der original französischsprachigen Fassung.

Reisepass zum Mond

Ab dem 7. Februar können Belgier einen ganz neu gestalteten Reisepass beantragen auf den Tim und Struppi Fans in allen anderen Ländern neidisch sein werden. Die Einreise-Beamten in aller Welt können ihren Lieblingscomic abstempeln, sofern er einer von 16 ausgewählten belgischen ist. Die 34 Seiten im Pass sind mit den Comichelden auf Reisen verziert und neben Tim und Struppi finden sich da u.a. die Schlümpfe oder Spirou.

BRF Belgischer Reisepass

Ein Highlight ist die erste Seite, denn die ist mit der rot-weißen Rakete aus Tim und Struppis Mondreise verziert.
Clevere Beamte: Fans, die nicht reisen, werden sich das Dokument wohl dennoch zulegen, und die 65 Euro dafür ausgeben. Wer nicht extra für die Eil-Lieferung zahlen will, erhält den Reisepass nach Beantragung in nur einer Woche.

Spiegel.de Belgischer Reisepass
Der Spiegel wählt ausgerechnet ein Motiv aus einem der Kinofilme für den Artikel

Falls mal Comic-Motive für einen gesamteuropäischen Reisepass gesucht werden, sollte man auf das Design zurückkommen! Figuren und Serien gibt es genug. Ich wüsste da schon eine …

Sammlerfreude: Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn / Der Schatz Rackhams des Roten – 1982

Das Geheimnis der Einhorn - BertelsmannDoppelband „Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn / Der Schatz Rackhams des Roten“ von Hergé, 128 Seiten
Verlag: Bertelsmann, 1982 (Softcover)

Lizenzausgabe mit Genehmigung von a./s. presse-illustrations-bureau, Kopenhagen … für Bertelsmann Reinhard Mohn OHG, Gütersloh …
(c) PIB / Casterman / Carlsen Verlag 1978 … Einbandgestaltung: Elke Niemann unter Verwendung einer Zeichnung von Herge …

Das Cover zieht sich über Vorder- und Rückseite. Es zeigt das Bild von Seite 19 (19C), allerdings etwas anders koloriert und hinten-links sogar zentimeterweit ergänzt. Ob mancher dachte, er würde eine historische Piratengeschichte kaufen?
Die Cover-Innenseiten zeigen die aus den Standard-Alben bekannten Portraits, allerdings weniger grau sondern in kräftigem schwarz.

Siehste 32 / 1979 mit Tim und StruppiEs gibt nur wenige kleine Unterschiede zur damaligen Album-Ausgabe z.B.: Auf dem Straßen-Schild 17B2 steht „Mommse Straße“ statt „Mommsen-Straße“. Die Flagge des Schiffes, zwischen 15A und 18B2 zigmal zu sehen, ist mit Lilien verziert auf blauem Grund. Rund um die Welt finden sich ja viele Flaggen-Varianten. Veröffentlichungen in „Fix & Foxi“ oder „Siehste“ zeigten zu jener Zeit blanke Flaggen, während in deutschen Alben-Ausgaben im Allgemeinen die Britische Flagge zu sehen ist (interessanterweise nutzt der englische Making-Of Hardcover mit dem Doppelabenteuer eine blanke, blaue).

Reizvoll an dem Stück ist natürlich das wirklich andere Cover – der Inhalt des Buches ist ja bekannt. Preislich liegt das Teil wohl zwischen 7,50 und 20 Euro.

Mr. President und das freundliche Atom

Professor B. sitzt im Büro des Regierungschefs eines modernen Staates. Dessen Berater, Mr. C, erklärt nochmal alles: »Das Gespräch muss absolut geheim bleiben. Nennen Sie ihn nicht beim Namen, sondern nur Mr. President. Wenn Sie das Gespräch konstruktiv beenden, spenden wir die vereinbarte Summe für einen guten Zweck.« Er zeigt den Scheck und steckt ihn in die Innentasche des Jacketts. »Es ist eminent wichtig. Vielleicht bewirkt das Gespräch etwas.«
Der Kopf des Professors bewegt sich ungläubig hin und her. »Nicht ihr Ernst! – Und wieso soll ich so ein veraltetes Hörgerät tragen? Ich bin nur ein klein wenig harthörig.«
»Natürlich, Herr Professor. Aber Mr. President ist nicht mehr der Jüngste und trägt ein praktisch nicht sichtbares Hörgerät. Er ist etwas eitel und findet Sie … äh, sympathischer, wenn Sie so ein gut sichtbares Hörgerät tragen.«
Die Tür schwingt auf und herein kommt Mr. President.
Mr. C begrüßt ihn und stellt den Professor vor. Mr. President geht nicht darauf ein. »Die Verwüstungen durch das Hochwasser schwemmen mir den Wahlkampf weg!« Mr. President tritt an seinen Schreibtisch. »Und das schlimmste: In diesen Überschwemmungsgebieten feiern die Leute ihre Helfer statt mich. – Bah! Wasser! Zu nichts zu gebrauchen.« Er schüttelt sich. »Verdammtes Klima.«
»Es ist eher das Wetter, Mr. President, nicht das Klima«, sagt der Professor.
Erstaunt sieht Mr. President ihn an. »Ach, sind sie ein Wetterwurm? Ich dachte, Sie sind dieser Atom-Schlaukopf.«
Der Professor stellt die Augenbrauen schräg. »Bitte?«
Schräg hinter Mr. President steht Mr. C und lächelt. Er macht einige entschuldigende Gesten. Es vergehen ein paar Sekunden. Der Professor lässt sich beschwichtigen.

Ein Professor im Präsidenten-Büro


Während dieser Zeit setzt Mr. President sich und legt die Beine auf den Schreibtisch. »Mann, ich muss Klimaziele einhalten. Der Wirtschaftsminister schlägt vor, in Atomkraft zu investieren. Mein Berater hier meint, Sie könnten ein paar Argumente liefern, mit ihrer langjährigen Erfahrung.«
»Sie denken an meinen Flug zum Mond mit der atomar betriebenen Rakete? Das war 1950.«
»Mir egal, woher Sie ihre Erfahrung haben. Schauen Sie, als ich damals ein Kind war, hat man uns im Fernsehen beigebracht, dass das liebe, kleine Atom unser Freund ist. Es machte so schöne, große Pilze beim Explodieren.« Er sieht den Professor kummervoll an. »Also das eines klar ist: Kommen Sie mir nicht mit Strahlenunfällen. Diesen grausigen Klimbim kennt nun wirklich jeder. Wissen Sie, was das Wichtigste ist?« Der Professor hätte da eine Idee, aber hütet sich davor, es auszusprechen. »Hauptsache, man findet einen Trottel, dem man die Schuld zuschieben kann. Unfälle passieren eben. Das muss man einpreisen.«
Der Professor presst kurz die Lippen zusammen. »Sie meinen, das diejenigen Bürger, die ausgerechnet in der Nähe eines Atomkraftwerkes wohnen werden, dann im Falle eines Unfalls für unser aller Strom, eben den Preis bezahlen.«
Mr. President breitet die Arme aus. »Bedauerlich, aber zur Rettung des Klimas muss auch ich Opfer bringen. Und wenn es ein paar meiner Wähler sind.«
Da macht der Professor Anstalten aufzustehen. »Ich glaube, mir gefällt nicht, wohin dieses Gespräch führt.«
Sofort faltet Mr. C die Hände. Seine Lippen formen ein lautloses »Bitte, Bitte!«.
Das sieht der Professor, schließt mal eben die Augen, holt Luft und versucht, es sich in dem Sessel noch einmal bequem zu machen.
Mr. President schaut an die Decke. »Staukraftwerke könnte ich einige bauen lassen. Aber von dem verdammten W-w-wasser will ich nichts hören.« Er verkrampft für einen Augenblick und brüllt: »Schwemmt mir noch den Golfplatz weg, das Zeug!«

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