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Kein Land in Sicht!?

Auf der Suche nach dem Piratenschatz Rackhams des Roten fahren Tim und Struppi mit Kapitän Haddock an Bord der SIRIUS in die Karibik. Diese Fahrt endete vor fast genau 78 Jahren. Damals war die Welt keineswegs in Ordnung. Aber wie sähe es aus, fände das Abenteuer heute oder im nächsten Jahrhundert statt? Ganz anders, denn zu viel ist in Bewegung geraten.

A la recherche du tresor de rackham le rouge - Hergé

Die Insel, vor der die EINHORN einst sank, wird womöglich bald nicht mehr zu finden sein, weil vom steigenden Meeresspiegel ausradiert. Wenn alle Gletscher unserer Gebirge, der Eisschild Grönlands und die Antarktis durch die Erderwärmung abschmelzen, ist es kein unrealistisches Szenario, dass Überflutungen und Erosion dem einsam gelegenen Eiland den Garaus machen. Sehr weit ragt es nämlich nicht aus den Fluten. Bekanntlich steht am höchsten Punkt der Insel das Kreuz, das der Ritter Frantz von Hadoque einst aufgestellt hat (siehe das Album »Der Schatz Rackhams des Roten« auf Seite 50, Panel B1). Es befindet sich nur wenig über dem Meeresspiegel.Schultze und Schulze - Der Schatz Rackhams des Roten - PIXI

Okay, im heutigen Album sieht man bei der Annäherung der SIRIUS sogar Berge (24C1). Die sind vermutlich eine Fata Morgana, denn Tim hätte die unmöglich übersehen, als er vom höchsten Punkt spricht! Das Panel in dem Tim und Haddock zu dem Sehnsuchtsziel rüber schauen, gab es in der s/w Urfassung vom Mai 1943 nicht. Der Autor hat die Insel erst später mit Bergen aufgehübscht und dabei offenbar den Dialog vergessen, den er Tim in den Mund legte.
Durch den Untergang der Insel würde uns nicht nur Hadoques Kreuz entgehen, sondern auch die von Eingeborenen angefertigte Figur des Ritters. Der Kapitän hätte immerhin seine Füße geschont. Er wäre nach dem anlanden am Ufer nicht über Bootsreste gestolpert, da der ursprüngliche Strand eben längst unter Wasser läge.

NDR-Der Klimawandel findet vor allen Dingen im Ozean statt
[NDR: Der Klimawandel findet vor allen Dingen im Ozean statt]

Um der Geschichte willen nehmen wir mal an, der Ort, an dem die EINHORN sank, wäre dennoch bekannt. Es gibt weitere Veränderungen. Durch die steigende CO2-Konzentration heizt sich nicht nur die Lufthülle der Erde oder das Land auf, nein, die Meere erwärmen sich im Verhältnis dazu sogar weit mehr.
Die dadurch erhöhte Verdunstung bringt zusätzliche Feuchtigkeit in eine wärmere Atmosphäre, wodurch sich Hurrikane leichter bilden. Vor allem werden sie stärker! Wollen wir hoffen, die Helden bleiben an Bord der SIRIUS davon verschont. Hergé hat auf Tropenstürme verzichtet, weil er auch so genug Abenteuer erfand.

Erkunden wir zusammen mit Tim und Struppi die Unterwasserwelt im Tauchboot. Hier ist doch hoffentlich noch heile Welt?
Womöglich würde dort nicht nur eine einzelne Qualle im Wasser schwimmen (das Exemplar posed auf dem Cover auf 33D3 und 40B1). Es wären wohl ganze Schwärme zu finden. Quallen pflanzen sich stärker fort, je wärmerer das umgebende Wasser ist.

Der Schatz Rackhams des Roten - Hörspiel - Herge Europa

Die Nachbarschaft da unten wird sich stark verändern. Fischarten, denen es zu warm wird, ziehen in kühlere Lebensräume. Gleichzeitig wandern andere Arten zu. Ganze Fischbestände verlagern sich. Es wird sicher Gewinner aber auf alle Fälle eine Menge Verlierer geben.
Zunächst mal tummeln sich dort nun andere Fische, als jene, die wir aus dem Album kennen. Außer Haien schwimmen da am häufigsten, und immer wieder, rote Großmäuler (33C3, 34A3 u. B2, 38C3, 40B1 u.a.), aber auch solche mit Riesenrückenflosse (34B3). Dazu längliche blaue (33D1, 34B2) und blau-rötliche (34A1 u. B1), seltener andere, darunter blau-weiß-orangene (40B1) oder eine Art Mondfisch (45C1). Hätten wir statt dessen grüne und gelbe Arten oder überhaupt keine mehr?

Da sich viel von dem von uns in die Luft geblasenen CO2 im Wasser löst, versauern die Meere, das heißt, ihr pH-Wert sinkt und damit verringert sich die Konzentration von Karbonat-Ionen. Tiere, die aus diesen Molekülen ein Kalkskelett bzw. Kalkschalen bilden, bekommen somit Probleme, u.a. Schnecken oder Muscheln. Außer Korallen sind solche Arten auf Tims Tauchgängen schon jetzt nicht zu sehen.

Korallen kennt man vor allem von den farbenprächtigen Riffen. Tatsächlich sind Korallen keine Pflanzen, sondern Nesseltiere. Sie bieten ihr Kalkgehäuse bestimmten Algenarten an, die für Farbe sorgen. Mit steigenden Wassertemperaturen stößt das Korallengewebe die Algen ab, was zur Korallenbleiche führt. Die Korallen geraten in Stress und die Symbiose mit den Algen kann komplett zusammenbrechen. Steinkorallen (z.B. 33D3 o. 40B2) werden Tim und Struppi und auch wir dann vor der Schatzinsel vermissen.

Tagesspiegel: Wenn Korallenriffe vom Meeresboden verschwinden
[Tagesspiegel: Wenn Korallenriffe vom Meeresboden verschwinden]

Die zunehmende Wärme im Ozean ist für viele Algen zunächst mal kein Problem und sie binden dabei sogar noch CO2. Dummerweise ziehen die Algen bei ihrer Blüte aber auch Sauerstoff aus dem Wasser und dasselbe passiert, wenn sie oder andere Wasserpflanzen zerfallen. Viele Meerestiere können dann nicht atmen, sterben oder halten sich ganz fern. Dadurch entstehen »tote Zonen«, die sich in einigen Teilen der Weltmeere ausbreiten.

Der Schatz Rackhams des Roten Hörspiel - Herge AriolaNun zum Tang. Der gehört zu den Riesenalgen und die Erwärmung der Ozeane scheint für diese Arten eine gute Nachricht zu sein. Es gibt weltweit unter Wasser ein Dutzend Stellen mit riesigen Tangwäldern.

Würde Tim vor lauter Tang den Meeresgrund nicht mehr sehen können? Wäre es unmöglich, darin das Wrack der EINHORN zu entdecken?
Die Antwort ist: Nein. Seetang hat lieber kaltes Wasser, um zu wachsen. Eher wächst er dort gar nicht mehr!

Somit könnte die Schraube an Tims Tauchboot also nicht im Tang stecken bleiben! Oha! Die gesamte Geschichte verändert sich, oder?

Der Klimawandel, die Erd- und Meererwärmung sind nicht unsere einzigen Probleme. Die Verschmutzung der Meere ist ein anderes. So verheddert sich die Schraube vermutlich in einem der Treibnetze, die da unten sinnlos herumwabern und Meeresbewohner zusätzlich peinigen.

Tim und Struppi - Tauchboot Rackham Meeresverschmutzung

Als Tim die Rauchkapsel auslöst, um Hilfe herbeizurufen, sollte man erwarten, dass ein oder zwei Matrosen der SIRIUS rauspullen und die Boje setzen. Eventuell sitzt noch der Kapitän in der Schaluppe. Dem ist aber nicht so. Wieso der Kapitän allein mit Professor Bienlein fährt, bleibt ein Geheimnis. Es ist nicht unbedingt eine erwartbare Kombination.
Aus Comedy-Sicht ist es jedenfalls ein Volltreffer, den Autor Hergé hier gelandet hat. Ihre Rettungsaktion ist ein Highlight des Albums. Aber, fände sie künftig noch statt? Die Verschmutzung der Meere, der Müll und all das Mikroplastik, werden die Sicht unter Wasser beeinträchtigen. Kapitän und Professor werden von oben zwar das Tauchboot sehen oder erahnen können, aber dass es festhängt, wäre schlimmstenfalls gar nicht mehr zu erkennen. Ob sie rechtzeitig anpacken und Tim und Struppi retten? Womöglich geht denen der Sauerstoff aus und ihre Abenteuer würden hier tragisch enden!

Der Schatz Rackhams des Roten - Herge CarlsenEs ist Zeit zu handeln. Für mehr Durchblick unter Wasser! Zurück zum Cover! Genug Probleme, die gelöst sein wollen. Wir können das! Wegducken gilt nicht. Schritt für Schritt.

Am 26. ist Bundestagswahl – Wähl mit für eine Zukunft, in der Inseln nicht untergehen müssen.

Genug schlechte Nachrichten. Lasst uns dafür sorgen, dass endlich wieder Land in Sicht kommt!

Tim und Struppi – Große Flut am Langen Strom

Die Deiche sind gebrochen. Das Wasser wird nichts verschonen! Es bleibt nur, so schnell als möglich zu flüchten! Deine Sachen, dein Haus, alles zurücklassen!
Um dich herum fliehen Dutzend andere vor der Überschwemmung. Und es werden immer mehr. Ein großer Treck. Jeder beladen mit dem bisschen Hab und Gut, das er tragen kann. Egal wohin, nur fort!
Das kennt man aus dem Album »Der blaue Lotos«, nicht wahr?

Überschwemmung

Die Eisenbahnfahrt von Tim und Struppi von Shanghai ins einige hundert Kilometer entfernte Hukou wird auf freier Strecke abgebrochen. Der Jangtse ist über alle Ufer getreten. Nichts da, was die Fluten bändigen könnte. Tim und Struppi müssen auf Schusters Rappen weiter. Die Szene aus dem Sommer 1935 erinnert die Leser an die Hochwasserkatastrophe von 1931, mit Millionen Opfern.

Tim und Struppi kommen auf ihrem Weg kilometerweit Menschen entgegenlaufen. Ihr Land, an der Grenze zwischen Nord- und Südchina, ist überflutet. Unbewohnbar. Der Fluss, der den Himmel durchquert, zeigt sich von seiner zerstörerischen Seite. Er hat die Gleise unterspült. Was treibt da nicht alles in den reißenden Fluten? Möbel, Telegrafenmasten, Fässer und vieles mehr. Ein Fluss der Tränen.

Tintin et leas mysteres du lotus bleuTim und Struppi hören einen Hilferuf. Ein hochgereckter Arm im Strom ist das Letzte, das man von dem Ertrinkenden sieht. Die beiden Helden zögern nicht und springen unerschrocken in den Fluss. Sie fischen den jungen Tschang aus den Fluten. Der Beginn einer lebenslangen Freundschaft.

Die Realität in diesen Tagen ist ähnlich. Es braucht nicht den drittlängsten Strom der Welt, nein, kleine Flüsschen haben sich kurzzeitig in Zerstörer verwandelt: weggerissene Häuser, kaputte Brücken, ruinierte Straßen und Trassen, abgerutschte Hänge. Schlamm und Müllhaufen allerorten.
Der blaue Lotos Hörspiel - Herge EuropaWie geht es weiter, nach der Rückkehr, dahin wo du gewohnt hast? Woher soll Energie für Maschinen kommen? Oder sauberes Wasser, schon wegen der Seuchengefahr? Auf welchem Weg können Helfer durchkommen? Wie verständigt man die ohne Telekommunikationsnetz?

Doch die Parallele geht weiter: Ein wenig Hoffnung in schauerlichen Zeiten gibt es. Retter für Mensch und Tier sind schnell unterwegs. Außerdem zahlreiche Helfer, die bis heute mit anpacken. Darunter sind Freunde und einander völlig Unbekannte. Auch das gibt es in der Not. Die vielen Hände bei Aufräumarbeiten oder für die Versorgung, die etwas Ordnung in das Chaos bringen. Hunderttausendmal Danke dafür!

Der blaue Lotos - Herge CarlsenDas nächste extreme Wetter-Ereignis wird durch die Klimaveränderung viel schneller kommen, als in vergangenen Jahrzehnten gewohnt. Und es wird bitterer ausfallen.
Ist es nicht tröstlich, zu wissen, dass auch in unserer Zeit Helfer da sind, also sozusagen wie Tim und Struppi »jemand reinspringt« und hilft, dich da rauszuziehen. Menschen kommen zusammen, über jene Grenzen hinweg, die sie sonst trennen. Hoffentlich entstehen gute Freundschaften.
Doch Optimismus für eine bessere Zukunft können wir alle wählen. Am 26. September ist Bundestagswahl. Noch unentschieden? Wahl-O-Mat fragen!

Auf den Spuren von Tim und Struppi 2 - DVD Der blaue LotosWas alles kommen wird, kann niemand wissen. Aber es ist höchste Eisenbahn, dass wir uns nicht länger willenlos von der Klimakatastrophe fortschwemmen lassen. Es ist viel geredet worden und jeder, der will, weiß Bescheid. Lasst uns reinspringen! Zeit, dass wir gegen diesen Strom angehen, und ihm die Klima-Trendwende abringen!

[Der blaue Lotos – Hergé/Moulinsart,
dt. beim Carlsen Verlag]

36 Grad, und es wird noch heißer!

Flug 714 nach Sydney - Herge CarlsenWir befinden uns direkt am Höhepunkt der Tim-und-Struppi Geschichte »Flug 714 nach Sydney«, Seite 59 unten rechts. Das Schlauchboot mit den noch in Hypnose dämmernden Helden treibt in ostasiatischen Gewässern auf eine Insel zu. Dort ist ein Vulkan ausgebrochen und glühend heiße Lava ergießt sich ins Meer.
Was passiert nun? Wir alle können es uns ganz einfach vorstellen. Etwa so:

Struppis Bellen weckt Tim und der erkennt die drohende Gefahr. Wenn Sie den Kurs nicht ändern, werden Sie alle gekocht, wie die Krebse! Schnell weckt Tim seine fünf Schicksalsgefährten, die mit ihm im Schlauchboot sitzen: Kapitän Haddock, Pilot Pjotr Klap, Professor Bienlein, Steward Gino und Milliardär Carreidas.
Tim schnappt sich eines der vier Ruder und ruft: »Alle mithelfen. Nur dann haben wir eine Chance gegen die Strömung. Schnell! Schnell!«

Flug 714 nach Sydney Kunstharz - Herge Moulinsart
Diorama mit Szene aus dem Album

Pilot Klap, direkt neben ihm, geht ans Ruder. Gino, der ein Leben lang stets sein Wohl hinter das der Gäste stellte, legt sich ebenfalls ins Zeug. »Mamma mia!«
Als er merkt, dass der Milliardär Carreidas neben ihm regungslos sitzen bleibt, ruft er: »Los, Signor Commendatore! Helfen Sie! Helfen Sie!«
Er muss husten. Dort, wo die Lava das Meer zum Kochen bringt, entstehen Dampfschwaden, die herüberwehen.

Das Schlauchboot reitet wild über die Wellen. Gischt spritzt hoch. Der Milliardär wird nass. »Rudern? Ohne meinen Hut? Niemals!« Carreidas wischt sich über das Gesicht. »Es muss andere Wege geben, als zu rudern. Ich habe genug Geld. Lassen Sie sich was einfallen.«
Gino hält inne. »Wenn Sie nicht rudern, hat es keinen Zweck.« Da kommt ihm eine Idee. »Oder wir werfen Sie über Bord, um es uns leichter zu machen. Hören Sie! Rudern! Avanti!«

Flug 714 nach Sydney Hörspiel - Herge Europa
Hörspiel Cover

Ein pyroklastischer Strom raste die Flanke des Vulkans hinab. Tim und die Anderen können nur hoffen, dass die tödlichen Gase sie nicht erreichen werden. Carreidas lacht. »Sie sind verrückt, Gino! Man wirft zuerst die Habenichtse über Bord. Und jetzt paddeln Sie, dann bleiben mir ein paar Minuten länger Zeit, darüber nachzusinnen, wie ich noch reicher werde.«

Mehrere große Brocken schlagen neben dem Schlauchboot ins Meer. Wasser ergießt sich über das kleine Fahrzeug. Kapitän Haddock schwenkt eine Flasche Alkohol, die er im Bootsproviant gefunden hat. »Vergesst das Wasser, Freunde, lasst uns feiern! *Hicks* Verbringen wir die Zeit, die uns bleibt fröhlich und ohne Streit!«

Die Hitze der nahen Lava wird spürbar. Tim und Klap schwitzen und rudern wie die Weltmeister, doch es sieht schlecht aus. Der Professor holt sein Pendel heraus. »Halten Sie das Boot ruhig. Lassen Sie mich nachdenken! Es muss eine wissenschaftliche Lösung des Problems geben.«
»Irgendwo im Westen!«, ruft der Kapitän und prostete mit der Flasche in die Runde.

Klar, so muss es gewesen sein. Wie? So hätte es sich niemals zugetragen?
Vermutlich nicht. Angesichts der drohenden Gefahr hätte jeder sofort gehandelt und mitgeholfen. Klar. An die Ruder und los! Wie im richtigen Leben … Wie im richtigen Leben, im Ernst?

Vielleicht ist die Klimakatastrophe einfach zu langsam für sofortiges Handeln? Zu kompliziert (nach links rudern, nach rechts, pusten gegen die Lava)?
Die Katastrophe kocht uns nicht sofort gar, sondern allmählich weich. Daran sollten wir uns nicht gewöhnen! Noch können wir etwas tun.
An die Ruder und los! Erstes Ziel: Zeichen setzen und wählen gehen am 26. September!

[Flug 714 nach Sydney – Hergé/Moulinsart, dt. beim Carlsen Verlag]

Die Elefanten-Patrouille kehrt zurück

Es war einmal eine Herde Elefanten, die wollte sehen, wie die Welt außerhalb ihres Biosphärenreservates aussieht.

WWF - China: Wanderne Elefanten
WWF – China: Wanderne Elefanten

Von einem abgelegenen Schutzgebiet im Südwesten Chinas ging die Reise der geschützten Tiere in menschliche Siedlungsgebiete. Diverse Felder mit Zuckerrohr oder Mais ernährten die Elefanten zwar gut, doch die Bauern waren weniger glücklich über diese Besucher.
Die monatelange Wanderung über mehr als tausend Kilometer führte die Tiere zwar nicht wie befürchtet in große Siedlungen, aber das hätte auch schief gehen können.

Die Zigarren des Pharaos - Herge Moulinsart - Carlsen VerlagWäre gut, man könnte sich wie weiland Tim 1933 in »Die Zigarren des Pharaos« mit wilden Elefanten verständigen, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Warum hat Hergé diesen märchenartigen Moment bei der Bearbeitung Mitte der 1950er nicht entfernt oder stark verändert, so wie andere Sequenzen der Geschichte? Vermutlich war es der witzige Einfall mit der Elefanten-Dusche, den er behalten wollte.

Die Menschen und erst recht die Elefanten können froh sein, dass es auf der Wanderung neben hunderten kleineren zu keinen schwerwiegenden Begegnungen kam. Mittlerweile jedenfalls ist die Herde auf dem Rückweg und hat dabei als wichtige Etappe den Fluss Yuanjiang auf einer Brücke überquert.
Besser so. In Tims Abenteuer leerte ein Elefant gar die Trinkgläser der Menschen (37C3), und das würde allen Beteiligten sicher nicht bekommen.
Alles Gute, ihr Dickhäuter!

Link: https://www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten/elefanten/asiatische-elefanten/china-wandernde-elefanten

1,5 Grad – Durch die Wüste? Nicht mit uns!

1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Das klingt nach wenig. Leider genügt es, von einem vergleichsweise ruhigen Wettergeschehen, in den Bereich häufig auftretender Wetterextreme zu kommen. Nicht die durchschnittlichen Sommer- oder Wintertemperaturen werden sich um 1,5 Grad ändern, sondern die Unberechenbarkeit des Wetters steigt um den Faktor X.

Die Krabbe mit den goldenen Scheren - Herge CarlsenDas ist kein Spaß! So wie Tim und Struppi von einem Moment zum Anderen aus einem Gewittersturm (Die Krabbe mit den goldenen Scheren, Seite 25) in die Hitze der Sahara geraten (Krabbe, S. 26), so wird es sich anfühlen.
Dieser Sommer 2021 mit seinem Wechsel von kühlen und heißen Tagen in Mitteleuropa ist ein kleiner Vorgeschmack. Starkregen hatten wir schon, bald wird es wieder um Dürre gehen. Das laugt die Leute aus, drückt sie nieder. Schau, wie es Kapitän Haddock ergeht. Er fällt ins Delirium (30B3), läuft fast ins Verderben (31B3 f.) oder bringt Verderben über andere (30C3 f.).

Die Hitze ist unerbittlich. Was könnten wir tun? Klimaanlagen? Ernsthaft? Wo soll die Energie für Millionen Klimaanlagen herkommen? Aus noch mehr Kohlekraftwerken?
Einfach reinstolpern in die Sahara und dann stur durch, oder? Keine gute Idee! Wir sollten etwas ändern, denn allmähliche Wetterübergänge und seltene, starke Hitze- oder Kälte-Ereignisse sind bald Vergangenheit. Der Weltklimarat sagt, dass wir in zehn Jahren vermutlich schon bei diesen 1,5 Grad angelangt sind und noch härter kämpfen müssten, um das 2 Grad Ziel einzuhalten.

Die Statistik ist eindeutig. Die Unsicherheiten in den Klimamodellen sind deutlich kleiner geworden. Wir werden etwas tun müssen! Gute Nachricht: Wir können etwas tun. Selbst, natürlich, beim Fahren und Reisen, beim Stromanbieter etc. Und am 26. September 2021 ist Bundestagswahl. Gut überlegen, wen man da wählt: Mehr Klimaneutralität wagen! Ein Zeichen für die Nachbarn in Europa und die Freunde in der Welt.

Tim und Struppi straucheln mit ihrem neuen Kumpel Kapitän Haddock durch den Sand der unendlichen Wüste (S.29). Verdammte Hitze! Kein Wasser! Rettung nicht in Sicht. Aber Tim gibt die Hoffnung nicht auf. Wir dürfen das auch nicht. Tu etwas, geh wählen, sprich mit deinen Leuten!
Zeit, dass sich was ändert. Die Zukunft steht schon vor der Tür.
Ich möchte noch erleben, dass sich die Maßnahmen positiv auswirken und wir den Trend umkehren, Hagel und Granaten!

[Die Krabbe mit den goldenen Scheren – Hergé/Moulinsart, Carlsen.
Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erwärmung ]

Epomeo – Von Zigarren zur Alpha-Kunst

Liest man Texte im Original, kann sich praktisch nichts daran verändern, außer einfachen sprachlichen Anpassungen an die Moderne. Liest man Übersetzungen der Texte, können die sich von Ausgabe zu Ausgabe ändern. Bei Tim und Struppi ist beides möglich, denn der Autor Hergé hat seine Werke ständig überarbeitet.

Ischia
Ischia – 2013 von „File Upload Bot (Magnus Manske)“

Gleich zu Anfang des Abenteuers »Die Zigarren des Pharaos« (Les cigares du Pharaon) steht Tim an der Reling eines Kreuzfahrtschiffes. Er spricht vom weiteren Reiseweg und dazu gibt es ein Panel (1C3) mit dem passenden Ausschnitt einer Weltkarte.

Eine Karte gibt es in der schwarz-weißen Originalversion vom Dezember 1932 nicht. Tim spricht von Suez, Aden, Bombay, Colombo, Singapur, Hongkong und Shanghai.
Das stimmt mit der farbig umgearbeiteten ersten französischen Album-Version von 1955 überein und die Karte dort zeigt genau diesen Reise-Abschnitt, also vor allem Asien, wobei die Route per Pfeil eingezeichnet wurde.

Natürlich finden wir denselben Text in der Fassung von Mitte 1976, die im Magazin TINTIN abgedruckt worden war. Nur die Karte zeigt nun das Mittelmeer und die Pfeile gehen nach Tanger und von dort über Algier, Tunis, Tripolis, Port Said, Istanbul, Piräus/Athen, Neapel, Marseille bis es über Gibraltar wieder hinaus geht. Nanu? Das passt nicht zusammen.

Die Zigarren des PharaosIn der ersten deutschen Album-Fassung (1972/85) findet sich die Mittelmeer-Karte und Tim erzählt uns von der dazu passenden Route über Port Said, Istanbul, Piräus usw. Auch die Engländer (1973-95) konnten genau das lesen und sehen.
In der Carlsen Werksausgabe von 1999 sowie der Farb-Faksimile-Edition wechselt das Ganze zurück zur Asien-Karte und Tim plaudert wie selbstverständlich wieder von Aden, Bombay, Singapur usw.
Wenn die Texter nicht mitmachen würden, gäbe es ein schönes Durcheinander, dass der Künstler uns Lesern da beschert hat.

Wer nun den in der Überschrift genannten Weg von Zigarren zur Alpha-Kunst gehen will, hat den Hinweis vermutlich schon gefunden. Ansonsten bitte die Szene nochmal genauer anschauen. Den Rettungsring mit dem Schiffsnamen gibt es erst seit 1955: »Epomeo«.
In der deutschen Albumfassung (und auch der englischen) wurde das Schiff in »Isis« umbenannt. Die ägyptische Gottheit passt zwar zu Pyramiden und Pharao Kih-Oskh. Doch diese Änderung unterschlägt die Liebe Hergés zur Insel Ischia und die ist der Schlüssel.

Ischia ist die größte Insel im Golf von Neapel (Italien) und die schöne Stadt liegt nicht umsonst auf Tims Mittelmeer-Reiseroute! Die höchste Erhebung der Insel ist der Monte Epomeo mit 789m. Und wohin reisen Tim und Struppi im unvollendeten »Tim und die Alpha-Kunst«? Nach Ischia.
Da haben wir es: Epomeo – Von Zigarren zur Alpha-Kunst!

[ Bild: Ischia vom Epomeo Gipfel https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ischia_view_from_Epomeo_peak_(3858885514).jpg ] Spätere Ergänzung: Anmerkung zur Farb-Faksimile-Edition, in der gar kein Schiffname mehr steht!?