Es war einmal eine Herde Elefanten, die wollte sehen, wie die Welt außerhalb ihres Biosphärenreservates aussieht.
WWF – China: Wanderne Elefanten
Von einem abgelegenen Schutzgebiet im Südwesten Chinas ging die Reise der geschützten Tiere in menschliche Siedlungsgebiete. Diverse Felder mit Zuckerrohr oder Mais ernährten die Elefanten zwar gut, doch die Bauern waren weniger glücklich über diese Besucher.
Die monatelange Wanderung über mehr als tausend Kilometer führte die Tiere zwar nicht wie befürchtet in große Siedlungen, aber das hätte auch schief gehen können.
Wäre gut, man könnte sich wie weiland Tim 1933 in »Die Zigarren des Pharaos« mit wilden Elefanten verständigen, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Warum hat Hergé diesen märchenartigen Moment bei der Bearbeitung Mitte der 1950er nicht entfernt oder stark verändert, so wie andere Sequenzen der Geschichte? Vermutlich war es der witzige Einfall mit der Elefanten-Dusche, den er behalten wollte.
Die Menschen und erst recht die Elefanten können froh sein, dass es auf der Wanderung neben hunderten kleineren zu keinen schwerwiegenden Begegnungen kam. Mittlerweile jedenfalls ist die Herde auf dem Rückweg und hat dabei als wichtige Etappe den Fluss Yuanjiang auf einer Brücke überquert.
Besser so. In Tims Abenteuer leerte ein Elefant gar die Trinkgläser der Menschen (37C3), und das würde allen Beteiligten sicher nicht bekommen.
Alles Gute, ihr Dickhäuter!
Was die Formen angeht, erinnern die neuen Luftschiffe dieses Jahrtausends eher nicht an die langgestreckten »Luft-Züge« der Vergangenheit. Der Airlander sieht aus, als habe man zwei Luftschiffe nebeneinander geschraubt.
Das Schiff ist mehr als ein Entwurf, bereits geflogen und vermutlich der ernstzunehmendste Konkurrent zum Zeppelin-NT. Nachdem die Entwicklung zunächst vom Militär co-finanziert wurde, ist das Projekt mittlerweile zivil. Momentan dieselt es an Bord, aber der Trend geht auch hier zum elektrischen Antrieb.
Nur weil der kleinste der klassischen Zeppeline, LZ 120, mit 120m noch deutlich länger war, als der AIRLANDER mit 90m, heißt das nicht, dass der Neue nicht leistungsfähig wäre. Im Vergleich mit LZ 120 vor hundert Jahren trägt das Schiff eine Tonne mehr Nutzlast und fliegt 20 Stundenkilometer schneller. Es ist natürlich noch Luft nach oben, aber man darf gespannt sein, ob die klimafreundlichere Art des Fliegens sich nicht doch noch mit Verspätung durchsetzt.
Wie wärs: Mit dem Luftschiff nach Malle in Urlaub entschweben? https://www.hybridairvehicles.com/
1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Das klingt nach wenig. Leider genügt es, von einem vergleichsweise ruhigen Wettergeschehen, in den Bereich häufig auftretender Wetterextreme zu kommen. Nicht die durchschnittlichen Sommer- oder Wintertemperaturen werden sich um 1,5 Grad ändern, sondern die Unberechenbarkeit des Wetters steigt um den Faktor X.
Das ist kein Spaß! So wie Tim und Struppi von einem Moment zum Anderen aus einem Gewittersturm (Die Krabbe mit den goldenen Scheren, Seite 25) in die Hitze der Sahara geraten (Krabbe, S. 26), so wird es sich anfühlen.
Dieser Sommer 2021 mit seinem Wechsel von kühlen und heißen Tagen in Mitteleuropa ist ein kleiner Vorgeschmack. Starkregen hatten wir schon, bald wird es wieder um Dürre gehen. Das laugt die Leute aus, drückt sie nieder. Schau, wie es Kapitän Haddock ergeht. Er fällt ins Delirium (30B3), läuft fast ins Verderben (31B3 f.) oder bringt Verderben über andere (30C3 f.).
Die Hitze ist unerbittlich. Was könnten wir tun? Klimaanlagen? Ernsthaft? Wo soll die Energie für Millionen Klimaanlagen herkommen? Aus noch mehr Kohlekraftwerken?
Einfach reinstolpern in die Sahara und dann stur durch, oder? Keine gute Idee! Wir sollten etwas ändern, denn allmähliche Wetterübergänge und seltene, starke Hitze- oder Kälte-Ereignisse sind bald Vergangenheit. Der Weltklimarat sagt, dass wir in zehn Jahren vermutlich schon bei diesen 1,5 Grad angelangt sind und noch härter kämpfen müssten, um das 2 Grad Ziel einzuhalten.
Die Statistik ist eindeutig. Die Unsicherheiten in den Klimamodellen sind deutlich kleiner geworden. Wir werden etwas tun müssen! Gute Nachricht: Wir können etwas tun. Selbst, natürlich, beim Fahren und Reisen, beim Stromanbieter etc. Und am 26. September 2021 ist Bundestagswahl. Gut überlegen, wen man da wählt: Mehr Klimaneutralität wagen! Ein Zeichen für die Nachbarn in Europa und die Freunde in der Welt.
Tim und Struppi straucheln mit ihrem neuen Kumpel Kapitän Haddock durch den Sand der unendlichen Wüste (S.29). Verdammte Hitze! Kein Wasser! Rettung nicht in Sicht. Aber Tim gibt die Hoffnung nicht auf. Wir dürfen das auch nicht. Tu etwas, geh wählen, sprich mit deinen Leuten!
Zeit, dass sich was ändert. Die Zukunft steht schon vor der Tür.
Ich möchte noch erleben, dass sich die Maßnahmen positiv auswirken und wir den Trend umkehren, Hagel und Granaten!
Akron (Ohio) ist den Zeppelin-Fans nicht unbekannt. Dort steht noch eine perfekt abgerundete Luftschiffhalle aus der Zeit der großen Zeppeline.
Dort plant LTA Research die Zukunft der Leichter-als-Luft-Technik. Wie so viele andere fasziniert auch hier der Gedanke des emissionsfreien Schwebens über Gebieten, die selbst per Auto nicht (mehr) erreichbar sind. Gebaut ist noch nichts und sehr konkret wird die Site nicht. Mal sehen, wie hoch der Newcomer steigt. https://www.ltaresearch.com/
Liest man Texte im Original, kann sich praktisch nichts daran verändern, außer einfachen sprachlichen Anpassungen an die Moderne. Liest man Übersetzungen der Texte, können die sich von Ausgabe zu Ausgabe ändern. Bei Tim und Struppi ist beides möglich, denn der Autor Hergé hat seine Werke ständig überarbeitet.
Ischia – 2013 von „File Upload Bot (Magnus Manske)“
Gleich zu Anfang des Abenteuers »Die Zigarren des Pharaos« (Les cigares du Pharaon) steht Tim an der Reling eines Kreuzfahrtschiffes. Er spricht vom weiteren Reiseweg und dazu gibt es ein Panel (1C3) mit dem passenden Ausschnitt einer Weltkarte.
Eine Karte gibt es in der schwarz-weißen Originalversion vom Dezember 1932 nicht. Tim spricht von Suez, Aden, Bombay, Colombo, Singapur, Hongkong und Shanghai. Das stimmt mit der farbig umgearbeiteten ersten französischen Album-Version von 1955 überein und die Karte dort zeigt genau diesen Reise-Abschnitt, also vor allem Asien, wobei die Route per Pfeil eingezeichnet wurde.
Natürlich finden wir denselben Text in der Fassung von Mitte 1976, die im Magazin TINTIN abgedruckt worden war. Nur die Karte zeigt nun das Mittelmeer und die Pfeile gehen nach Tanger und von dort über Algier, Tunis, Tripolis, Port Said, Istanbul, Piräus/Athen, Neapel, Marseille bis es über Gibraltar wieder hinaus geht. Nanu? Das passt nicht zusammen.
In der ersten deutschen Album-Fassung (1972/85) findet sich die Mittelmeer-Karte und Tim erzählt uns von der dazu passenden Route über Port Said, Istanbul, Piräus usw. Auch die Engländer (1973-95) konnten genau das lesen und sehen. In der Carlsen Werksausgabe von 1999 sowie der Farb-Faksimile-Edition wechselt das Ganze zurück zur Asien-Karte und Tim plaudert wie selbstverständlich wieder von Aden, Bombay, Singapur usw. Wenn die Texter nicht mitmachen würden, gäbe es ein schönes Durcheinander, dass der Künstler uns Lesern da beschert hat.
Wer nun den in der Überschrift genannten Weg von Zigarren zur Alpha-Kunst gehen will, hat den Hinweis vermutlich schon gefunden. Ansonsten bitte die Szene nochmal genauer anschauen. Den Rettungsring mit dem Schiffsnamen gibt es erst seit 1955: »Epomeo«. In der deutschen Albumfassung (und auch der englischen) wurde das Schiff in »Isis« umbenannt. Die ägyptische Gottheit passt zwar zu Pyramiden und Pharao Kih-Oskh. Doch diese Änderung unterschlägt die Liebe Hergés zur Insel Ischia und die ist der Schlüssel.
Ischia ist die größte Insel im Golf von Neapel (Italien) und die schöne Stadt liegt nicht umsonst auf Tims Mittelmeer-Reiseroute! Die höchste Erhebung der Insel ist der Monte Epomeo mit 789m. Und wohin reisen Tim und Struppi im unvollendeten »Tim und die Alpha-Kunst«? Nach Ischia. Da haben wir es: Epomeo – Von Zigarren zur Alpha-Kunst!
[ Bild: Ischia vom Epomeo Gipfel https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ischia_view_from_Epomeo_peak_(3858885514).jpg ] Spätere Ergänzung: Anmerkung zur Farb-Faksimile-Edition, in der gar kein Schiffname mehr steht!?
Ist es ein UFO oder eine Designer-Jahre-Lampe? Wie ein überdimensionaler Quallenkörper (wie einst beim TNG-Pilotfilm „Mission Farpoint“) hinge dieser Luftschiff-Entwurf von AEROSMENA im Himmel.
Eine ungewöhnliche Form, die sich kaum für Luftschiff-Hallen eignen wird, aber hier gilt wie für alle Schiffe: Sie sind für die Fahrt gemacht, nicht zum rumliegen. Geplant ab 2024, allerdings erst einmal in einer 20 Tonnen-Version. Dennoch kommt Reiselust auf! Mehr: https://interestingengineering.com/ufo-russian-cargo-airship
Wenn ein Tim und Struppi-Fan schon nach Brüssel reist, kann er seit Juni 2021 standesgemäß im Hotel AMIGO wohnen.
Dort entstand in Zusammenarbeit mit Moulinsart und dem Hergé-Museum eine Tintin Signature Suite. Es gibt allerlei Hotelzimmer mit kreativer Dekoration, aber nur hier gibt es u.a. Bettwäsche, Artwork, Comics, Malbücher. Und Struppi bewacht den Raum. Mehr: https://www.roccofortehotels.com/de/hotels-and-resorts/…
Ganz zum Schluss publizierte James White ein Buch nach dem anderen. Der wirklich letzte Band des SECTOR GENERAL Zyklus erschien im Jahr seines Todes 1999. Neue Storystrukturen vom Autor und neue Einsichten über altbekannte Charaktere. Das Buch gibts nur im Original – keine Übersetzung erhältlich.
Los geht es in einer völlig fremden Welt und einem Pärchen, das ins All aufbricht um eine neue Welt für ihre Spezies zu suchen. Dann gehts los mit der Haupthandlung, diesmal aus Perspektive von Doktor Prilicla als Chefarzt an Bord der Rhabwar. Man kennt ihn seit Band 2 und neben O’Mara, Murchison und Conway ist er die Viertwichtigste Figur. Ausgerechnet das zerbrechliche Insekt erweist sich als tolle Wahl, neue Einsichten über ihn zu gewinnen.
Ein Notfall führt zum Nächsten. Ein Rettungsschiff wird durch die aktive Verteidigung eines Alien-Schiffes außer Gefecht gesetzt und stürzt ab. Der Planet wird von spinnenähnlichen Wesen bewohnt, die noch mit Pfeil und Bogen unterwegs sind. Natürlich geht es nicht darum, was die den Helfern tun, sondern was die Helfer ihnen und ihrer Kultur antun.
Außerdem ist da noch die spannende Untersuchung des Alien-Schiffes. Prilicla muss sich mehrfach durchsetzen. In der Mitte des Romans wird sogar Murchison für einige Kapitel zur Perspektivfigur. So als hätte der Autor gewusst, dass es höchste Zeit ist, es seinen Hauptfiguren zu gönnen. Nicht perfekt aber dennoch Top-Hospital-Unterhaltung.
Helfer konsequent ohne Waffen. Lies das!